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Diesel-Debatte : Wie ungesund sind Stickoxide?

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Diese Botenstoffe vermitteln Entzündungen an den Gefäßwänden, die langfristig Schaden nehmen, und sie könnten Atherosklerose fördern. Auf diese Weise könnten hohe NO₂-Konzentrationen in der Atemluft vielleicht auch Diabetes auslösen oder das Geburtsgewicht von Kindern beeinflussen. Zumindest vermutet man ähnliche Mechanismen, mit denen sich solche statistisch auffälligen, doch rätselhaften Zusammenhänge erklären ließen.

Ungleichmäßige Verteilung

Dass Stickoxid auch als Umweltgift wirkt, ist Experten bekannt und wurde erst unlängst wieder im Auftrag des Umweltbundesamtes durch das Münchner Helmholtz Zentrum bestätigt. Seit diesem Frühjahr wartet die Studie auf ihre Veröffentlichung. Grund für die Verzögerung seien die komplizierten Abstimmungsprozesse, heißt es. In wenigen Wochen werde die Untersuchung der Allgemeinheit vorgestellt, verspricht das Amt.

Einen Trost gibt es immerhin: Die Auspuffgase des Autoverkehrs konzentrieren sich meist nur auf ganz bestimmte Orte. „Abseits der großen Verkehrsadern sinken die Stickstoffdioxid-Konzentrationen sehr schnell“, sagt Wolfgang Straff vom Referat Umweltmedizin und gesundheitliche Bewertung des Umweltbundesamtes. Weil sich in der Luft eben alles vermischt und verdünnt. Entfernt man sich zwanzig bis dreißig Meter von der Straße, sinkt die NO₂-Konzentration bereits um die Hälfte.

Je nach Wetterlage, Bebauung und Durchlüftung können sich die Abgaswolken allerdings ebenso über benachbarte Wohngebiete und Nebenstraßen ausbreiten. Das hat Annette Peters, Direktorin des Instituts für Epidemiologie am Helmholtz Zentrum München, mit ihren Kollegen kürzlich in Augsburg nachgewiesen. Teilweise werden selbst dort Konzentrationen jenseits des Grenzwerts von bis zu sechzig Mikrogramm pro Kubikmeter Luft erreicht, dabei ist Augsburg eigentlich nicht als Luftschadstoff-Brennpunkt bekannt. Auch an Verkehrsknotenpunkten in ländlicher Umgebung stießen die Wissenschaftler auf bedenkliche Konzentrationen. In welchem Umfang die Stickoxide durch die Fenster in die Innenräume der Wohnungen dringen, ist bislang noch nicht erforscht.

Nicht das einzige Problem

Menschen mit Atemwegsproblemen könne man sicherlich nicht empfehlen, an größeren und vielfrequentierten Straßen zu wohnen, sagt die Biologin und Epidemiologin Annette Peters. Problematisch sei außerdem, dass der Durchschnittsdeutsche auf die Luftschadstoffe in seiner Umgebung selbst wenig Einfluss nehmen kann. Genau deshalb, sagt Peters, könne beim Thema Diesel letztlich nur die Politik für eine Verbesserung der Luftqualität und damit für einen besseren Schutz der Risikogruppen sorgen. Denn es stellt sich mehr und mehr heraus: Es gibt keinen Grenzwert, unterhalb dessen NO₂ wirklich unbedenklich ist.

Allerdings sind Stickoxide bei weitem nicht das einzige Problem. Dass gerade sie momentan in den Fokus der Diskussion geraten sind, hat unter anderem damit zu tun, dass man in Europa mit Feinstäuben viel großzügiger umgeht. Die maximal erlaubte Jahresbelastung liegt hier mehr als doppelt so hoch wie jene Grenzwerte, welche die WHO als gerade noch verträglich einstuft. Und öffentliche Diskussionen, sagt die Medizinerin Barbara Hoffmann, seien eben vor allem von Grenzwerten getrieben.

Dabei wirken diese Kleinstpartikel wahrscheinlich nicht nur stärker auf Atemwege, Gefäße und Herz, die Beweise für ihre Gefährlichkeit sind sogar noch erdrückender als bei den Stickoxiden. „Aber auch beim NO₂“, sagt Hoffmann, „ist längst ein Evidenzlevel erreicht, wo wir als Ärzte und Gesundheitswissenschaftler sagen: Jetzt muss gehandelt werden.“

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