https://www.faz.net/-gwz-8fg1g

Eschensterben : Lang soll sie leben

  • -Aktualisiert am

So ein Exemplar wie hier in Köln muss man aber auch erst mal suchen. Bild: dpa

Die Esche ist einer der prächtigsten Bäume hierzulande. Jetzt droht ihr Gefahr durch Schädlinge.

          5 Min.

          Die Weltenesche Yggdrasil wurde von den Germanen als Baum des Lebens verehrt. Als erster und gleichzeitig prächtigster Baum auf der Erde verkörperte sie in der nordischen Mythologie die gesamte Schöpfung. Unter ihren Zweigen hielten die Götter Gericht, und sollte die Esche jemals wanken oder gar welken, nahte das Ende der Welt.

          So weit ist es nicht gekommen. Obwohl die imposanten Bäume heute lediglich einen geringen Teil des deutschen Forstes ausmachen und es kaum Reinbestände gibt, prägen Eschen nach wie vor das Erscheinungsbild gesunder Mischwälder. Nicht umsonst wird die Gemeine Esche in der Sprache der Botaniker Fraxinus excelsior genannt. „Excelsior“ bedeutet „höher, erhaben“. Mit bis zu vierzig Metern Höhe überragen Eschen tatsächlich die meisten anderen in Deutschland heimischen Laubbäume. Zusammen mit Flieder, Forsythie und Liguster gehören sie zur Familie der Ölbaumgewächse (Oleaceae). Eschen können etwa dreihundert Jahre alt werden. Ihr gerade emporwachsender Stamm mit der zerfurchten, silbrig-grauen Borke gabelt sich nur selten und mündet in einer kugelförmigen Krone aus grünen Fiederblättchen. Unverwechselbar wird die Esche durch ihre samtschwarzen, mit feinen Härchen bedeckten Knospen, die keine andere heimische Baumart besitzt. Grüne Triebe und Blüten sprießen daraus im Mai.

          Von der Kutsche zum Automobil

          Die Esche ist die am spätesten austreibende heimische Baumart, und so kann es vorkommen, dass unkundige Gartenbesitzer einen Baum für abgestorben halten und zur Säge greifen. Was sich bei schlagreifen Hölzern durchaus lohnen kann, denn Eschenholz ist eines der selteneren und wertvolleren Hölzer in europäischen Wäldern. Weil es zug-, bieg- und schlagfest ist, wurde es früher unter anderem im Schiffsbau eingesetzt. Auch Waffen wie Speere und Bogen wurden aus Eschenholz gefertigt. Wegen der hohen Toleranz gegenüber Stoßbelastungen waren nicht nur die Speichen von Kutschenrädern, sondern auch noch die der ersten Automobile aus Eschenholz. Heute greifen vor allem Möbel- und Furnierhersteller auf das helle Holz zurück. Auch Werkzeugstiele bestehen häufig aus Esche.

          Bis in die 1980er Jahre galten die in nahezu ganz Europa heimischen Eschen als äußerst widerstandsfähig. Kein Schädling konnte den Bestand ernsthaft gefährden, weder Pilze noch Insekten machten sich in nennenswertem Maße über die Eschen her.

          Als wäre der Pilz nicht schon schlimm genug

          Der britische Ökologe Peter Thomas sorgt sich nun allerdings um den Baum. In einem Aufsatz im Journal of Ecology beschwor er unlängst „das Potential des Eschentriebsterbens, alle bis auf wenige resistente Exemplare zu töten“. Ausgelöst wird die Erkrankung durch einen aus Ostasien eingeschleppten Pilz, der ausschließlich Eschen befällt. Seit etwa vierzig Jahren wütet das Falsche Weiße Stengelbecherchen (Hymenoscyphus fraxineus) in Europa, in Skandinavien sind inzwischen bis zu achtzig Prozent aller Eschen befallen, und auch in Deutschland breitet sich der Erreger aus.

          Als wäre das nicht genug, warnt Thomas vor einem weiteren, neuen Schädling: Der Asiatische Eschenprachtkäfer ist 2003 bis nach Moskau vorgedrungen und nähert sich nun Mitteleuropa. In Nordamerika fielen den smaragdgrünen Insekten bereits mehrere Millionen Bäume zum Opfer. Während sich erwachsene Prachtkäfer von Eschenblättern ernähren und nur geringen Schaden anrichten, bohren sich die Larven tief in den Eschenstamm, so dass unter der Borke ganze Gangsysteme entstehen. Während asiatische Eschenarten, die mit den Schädlingen aufgewachsen sind, den Insekten gegenüber wenig empfindlich sind, sterben europäische und amerikanische Eschen wenige Jahre nach dem Befall ab. Verglichen mit dem Falschen Stengelbecherchen stellen die Eschenprachtkäfer nach Ansicht von Thomas eine „genauso große, eventuell sogar ernstere Bedrohung“ für die Laubbäume dar. Düstere Aussichten also für die Esche?

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Kanzlerkandidat der Union : Laschets Feuertaufe

          So hatte Markus Söder nicht gewettet. Doch nun muss er Wort halten und alles dafür tun, dass sein Rivale ins Kanzleramt einzieht. Das hat Armin Laschet sich verdient.
          Ein Frachtschiff im Bosporus wird 2019 abgeschleppt, nachdem es die Küstenstraße der Meerenge gerammt hatte.

          Alternative zum Suezkanal : Erdogans neues Megaprojekt

          Mit der kostenlosen Passage durch den Bosporus lässt sich kein Geld verdienen. Im Kampf um das östliche Mittelmeer soll der „Kanal Istanbul“ nun die Position der Türkei stärken.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.