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Kind im Mutterleib : Geschenke fürs ganze Leben

Allein das Kulturmedium übt einen gewissen Einfluss auf das werdende Leben aus, haben Studien gezeigt. „Wir stellten in unseren Untersuchungen fest, dass das Geburtsgewicht je nach Medium variiert“, sagt John Dumoulin vom Universitätsklinikum im niederländischen Maastricht. Sein Team hatte Geburtsdaten der Jahre 2003 bis 2006 ausgewertet, bei denen zur künstlichen Befruchtung zwei verschiedene Nährlösungen verwendet worden waren. Andere Reproduktionsmediziner hätten sich daraufhin ihre eigenen Daten vorgenommen: „Manche entdeckten ähnliche Effekte, andere nicht“, sagt Dumoulin. Der in Maastricht entdeckte Unterschied sei aber im Alter von zwei Jahren immer noch präsent gewesen. Welche Zutaten in den Kulturmedien das Gewicht beeinflussten, ließ sich nicht ermitteln. „Wir wissen auch nicht, ob dieser Unterschied relevant ist, und ob sich daraus Probleme ergeben“, sagt Dumoulin. Deshalb ist geplant, die Gesundheit der inzwischen Neun- bis Elfjährigen genauer zu untersuchen.

Frauen sind nicht für alles verantwortlich

Noch liegt vieles im Dunkeln. Studien würden zwar zunehmend belegen, dass eine frühe Prägung stattfindet, sagt Dumoulin. „Wir sehen allgemeine Trends, können aber nicht vorhersagen, wie sie sich individuell auswirken. Menschen sind sehr verschieden.“ Deshalb sei Vorsicht geboten bei der Interpretation der Ergebnisse. Die Epigenetik sei eben ein relativ neues Gebiet. In diesem Zusammenhang ist Carmen Marsit eines besonders wichtig: „Die Studien helfen, die Entstehung von Krankheiten wie Diabetes zu verstehen, sollten aber nicht dazu missbraucht werden, Frauen zu stigmatisieren. Sicherlich sind viele Umweltfaktoren beteiligt, die sich nicht so einfach kontrollieren lassen“, sagt der Epigenetiker.

Alle Forschungsbemühungen sollten keinesfalls dazu führen, den Stress oder die Angst von Schwangeren zu erhöhen. In diesem Sinne haben auch sieben interdisziplinäre Wissenschaftler das Thema in der aktuellen Ausgabe von Nature kommentiert. Unter dem Titel „Don‘t blame the mothers“ sprechen sie sich entschieden dagegen aus, Frauen in Namen der Epigenetik für alles verantwortlich zu machen, was ihren Sprösslingen einmal widerfahren könnte.

„Epigenetische Forschung ist ungemein spannend“, sagt die Wissenschaftshistorikerin Sarah Richardson von der Harvard University im Gespräch. „Aber es handelt sich bisher vor allem um Tierversuche und Korrelationen, weniger um kausale Belege.“ Jedenfalls sei es zu früh, aus den komplexen Ergebnissen gleich Empfehlungen für Schwangere abzuleiten. „Außerdem zeigen Studien, dass sowohl die Konstitution der Väter als auch die der Großväter ebenfalls die Gesundheit der Nachkommen beeinflussen kann.“ Die Umwelt eines ungeborenen Kindes beschränke sich nicht auf den Mutterleib, wie es häufig vereinfacht dargestellt würde. „Familie, Partnerschaft und die Gesellschaft tragen ebenso ihren Teil dazu bei“, sagt die Forscherin. Gerade wenn es darum geht, Stress zu vermeiden. Oder um eine ausreichende, gesunde Ernährung zu ermöglichen.

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