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Edmond Fischer zum Hundertsten : Was Enzyme auf Trab bringt

Edmond Fischer (links im Bild) im Austausch mit Nachwuchswissenschaftlern auf der 64. Lindauer Nobelpreisträgertagung 2014. Bild: Christian Flemming/Lindau Nobel Laureate Meeting

Die Entdeckung der „Phosphorylierung“ von Enzymen war Edmons Fischers große Entdeckung, für die er 1992 den Medizin-Nobelpreis erhielt. Heute wird der Sohn österreichisch-französischer Eltern hundert Jahre alt.

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          Vielleicht wäre aus „Eddy“, wie ihn seine Freunde nennen, auch ein großer Konzertpianist geworden. An Talent dazu hatte es Edmond H. Fischer, der 1920 als Sohn einer Französin und eines österreichischen Anwalts in Schanghai geboren wurde, jedenfalls nicht gemangelt. Auch blieb Fischer, der schon als Siebenjähriger von seinen Eltern getrennt wurde und in Genf zur Schule ging, wo er auch das Konservatorium besuchte, zeit seines Lebens ein Liebhaber der schönen Künste. Doch seine Neugier für Naturvorgänge – befeuert durch ein geschenktes Mikroskop – war einfach zu übermächtig, so dass er sich bereits als Jugendlicher mehr für die Naturwissenschaften als für Musik interessierte. Die Chemie und die Biologie wurden Fischers große Leidenschaften.

          Manfred Lindinger
          Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Dass er mit seiner Berufsentscheidung richtig lag, sollte sich 1992 zeigen, als er zusammen mit seinem langjährigen Partner an der University of Washington in Seattle, dem Biochemiker Edwin G. Krebs, mit dem Nobelpreis für Medizin und Physiologie ausgezeichnet wurde. Fischer und Krebs hatten in Seattle in den fünfziger Jahren einen wichtigen biochemischen Mechanismus entdeckt, der bei der Regulierung des Stoffwechsels eine zentrale Rolle spielt: die Phosphorylierung. Dabei werden durch Anheften oder Abspalten phosphorhaltiger Gruppen bestimmte Enzyme in den Körperzellen aktiviert oder deaktiviert. Die Erkenntnisse der beiden Forscher haben unter anderem zu einem besseren Verständnis vieler Körperfunktionen geführt, etwa der Herzfunktion, der Zusammenhänge zwischen Stress und Allergien, der Regulation von Genen und unseres Langzeitgedächtnisses.

          Fischer begann sein Studium in Genf, als gerade der Zweite Weltkrieg ausbrach. Dort wurde der deutsche Chemiker Kurt Heinrich Meyer sein Lehrer und Mentor. Nach seiner Promotion, 1947, ging er – nicht zuletzt weil die Schweiz wie ganz Europa auch wissenschaftlich daniederlag – als Research Fellow der Rockefeller-Stiftung in die Vereinigten Staaten. Er hatte mehrere Einladungen erhalten, wählte die University of Washington in Seattle, obwohl sie damals keine wissenschaftliche Hochburg war, und blieb. 1953 wurde er wissenschaftlicher Assistent und 1961 Professor für Biochemie. Noch lange nach seiner Emeritierung vor dreißig Jahren hatte er ein eigenes Büro an der Universität.

          Die Lehre und das Reisen sind noch immer seine großen Leidenschaften. Vorträge hält er am liebsten vor Schülern und vor jungen Wissenschaftlern. Eigentlich wollte er dieses Jahr wieder zur Nobelpreisträgertagung nach Lindau fahren, um die vielen Nachwuchswissenschaftler zu treffen. Doch diese Reise muss er wegen der Corona-Pandemie auf das nächste Jahr verschieben. Heute feiert Edmond H. Fischer, der älteste noch lebende Nobelpreisträger, seinen hundertsten Geburtstag.

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