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Drogen : Die unvergeßliche Party

  • -Aktualisiert am

Halluzinationen, Wahnvorstellungen, Depressionen: Partydroge Ecstasy Bild: picture-alliance / dpa

Die Schäden von Ecstasy werden stark unterschätzt. Fast alle regelmäßigen Nutzer weisen psychotische Störungen auf. Langzeitfolgen des Konsums von Designerdrogen sind noch nicht absehbar.

          3 Min.

          Designerdrogen haben die Hemmschwelle für den Rauschmittelkonsum gesenkt. Während das Wort Rauschgift mit Verelendung und Drogentoten assoziiert wird und abschreckend wirkt, verheißen Substanzen wie Ecstasy, Adam und Eve offenbar einen Nervenkitzel ohne Reue.

          Doch das ist ein fataler Irrtum, wie zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen belegen. George Ricaurte und Una McCann von der John Hopkins School of Medicine in Baltimore haben kürzlich in einem Beitrag für die Medizinzeitschrift „Lancet“ (Bd.365, S.2137) die gefährlichen Wirkungen von Partydrogen im Überblick dargestellt.

          Dauerhafte Schäden durch Ecstasy

          Es besteht kein Zweifel daran, daß Ecstasy das Wortgedächtnis dauerhaft schädigen kann und mit verschiedenen psychiatrischen Symptomen in Zusammenhang gebracht werden muß, etwa mit Halluzinationen, Wahnvorstellungen und Depressionen.

          Rainer Thomasius und seine Kollegen von der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf haben festgestellt, daß jeder zweite Dauerkonsument von Ecstasy unter einer neuropsychiatrischen Störung leidet. Vermutlich führen die neurotoxische Wirkung der Droge und gewisse Persönlichkeitsmerkmale zu dieser hohen Zahl.

          Langzeitfolgen noch nicht absehbar

          Beim aktuellen Konsum von Ecstasy nimmt zudem die Konzentration eines wichtigen Transportproteins in den Nervenausläufern ab („American Journal of Psychiatry“, Bd.161, S.1181). Die Konzentration steigt zwar bei Abstinenz wieder an, die neuropsychologischen Störungen, wie Defizite bei der Wortfindung und den Lernleistungen, bleiben aber auf Dauer bestehen.

          Ob der Genuß von Ecstasy oder anderen synthetischen Drogen auch zu einer vorzeitigen Demenz führt, wird sich erst zeigen, wenn die heutigen Konsumenten das Rentenalter erreicht haben. Besorgniserregend ist nach Einschätzung von Ricaurte und McCann auch, daß immer häufiger gleich mehrere Substanzen eingenommen werden.

          Wechselwirkungen mit anderen Drogen

          Der gleichzeitige Konsum von Cannabis, Ecstasy, anderen synthetischen oder pflanzlichen Drogen, Alkohol und Medikamenten ist heutzutage die Regel und nicht mehr die Ausnahme. Da über die Wechselwirkungen der einzelnen Substanzen aber nur wenig oder gar nichts bekannt ist, gilt jeder Mischkonsum als riskantes Unterfangen.

          Ricaurte und McCann weisen auch auf die pharmakologischen Unwägbarkeiten des Drogenkonsums hin. Werden auf einer Party gleich mehrere Tabletten Ecstasy hintereinander eingenommen, können sich gefährlich hohe Wirkstoffspiegel im Blut aufbauen. Daß dies auch eklatante internistische Komplikationen zur Folge haben kann, ist lange Zeit kaum beachtet worden.

          Gefährliche Symptome können auftreten

          Das Spektrum reicht von akuten und chronischen Entzündungen der Leber über eine gefährliche Überhitzung des Körpers, Gerinnungsstörungen, innere Blutungen, eine Zersetzung der quergestreiften Muskulatur, Nierenversagen, Herzrhythmusstörungen und Bluthochdruck bis hin zum akuten Herzversagen.

          Bisweilen kommt es zu einem drastischen Anstieg der Körpertemperatur. Es wurden schon bis zu 43 Grad gemessen. Der Anstieg der Körpertemperatur geht nicht nur auf die zentralnervöse Wirkung des Ecstasys zurück, sondern auch auf die äußeren Umstände. Die bis zur Ekstase gesteigerte Tanzwut und das stickige überhitzte Klima in den Partyräumen lassen den Körper austrocknen und die Körpertemperatur auf ein gefährlich hohes Niveau steigen.

          Komplizierte Behandlungsmethoden

          Bei vielen der Betroffenen kommt es zu einer Blutgerinnungsstörung sowie einer Zersetzung der quergestreiften Muskulatur. Die Behandlung solcher Komplikationen erfolgt symptomatisch und verlangt zum Teil widersprüchliche Maßnahmen. Art und Reihenfolge richten sich nach dem akuten Zustand des Patienten. Damit Ecstasy schneller aus dem Körper entfernt werden kann, ist zum Beispiel eine Ansäuerung des Urins nötig.

          Hat aber schon eine Muskelzersetzung begonnen, sollte der Urin nicht mehr angesäuert, sondern eher alkalisiert werden, was aber die Ausscheidung der Droge verzögert. Bei einer Rhabdomyolyse muß zudem Flüssigkeit verabreicht werden. Eine erhöhte Flüssigkeitszufuhr kann aber zu einem Natriummangel im Blut führen.

          Die psychotische Störung therapieren

          Nach dem neuesten Drogenbericht der Bundesregierung haben fünf bis sieben Prozent der Jugendlichen und jungen Erwachsenen schon einmal Ecstasy konsumiert. Zwei Prozent nehmen es vermutlich regelmäßig ein. Rechnet man die von Thomasius ermittelten Zahlen für die psychotischen und neuropsychologischen Folgeschäden auf diese Gruppe hoch, muß sich der Konsum im Krankenstand der Bevölkerung abbilden.

          Einige der als angeboren geltenden Beeinträchtigungen sind deshalb vermutlich auf den Konsum von Ecstasy oder anderer Drogen zurückzuführen. Ricaurte und McCann schlagen vor, diese Störungen wie alle psychotischen und neuropsychotischen Störungen mit unbekannter Ursache zu behandeln. Thomasius plädiert indessen für die Entwicklung eines besonderen Therapieplanes.

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