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Die lieben Kleinen (4) : Festgezurrt vor Mutters Busen

  • -Aktualisiert am

Und eine Langzeitstudie der Freiburger Verhaltensbiologin Evelin Kirkilionis ergab: Getragene und nicht getragene Kinder unterscheiden sich bei ihrer Einschulung in der Häufigkeit der Haltungsschäden nicht. Das gilt auch für Kinder, die mehrere Stunden am Tag im Tuch verbracht haben. Denn Säuglinge haben noch kein „S“ in ihrer Wirbelsäule. Becken und Hüfte orientieren sich nach vorne, die Beinchen sind krumm - gerade so, daß es sich mit gespreizten angehockten Beinchen eng an den Körper der Mutter schmiegen kann.

Unterstützung der jungen Hüftgelenke

Nicht nur die Anatomie ist gut fürs Tragen. Das Tragen ist auch gut für die Anatomie, besonders für Hüfte und Oberschenkelkopf. Die Spreiz-Anhockstellung bringt beide in die richtige Position zueinander, denn bei Babys ist die Hüftpfanne noch weich und knorpelig und so flach, daß der Oberschenkelkopf noch nicht fest im Gelenk sitzt. Bei manchen Kindern ist das stärker ausgeprägt, bei anderen weniger. Im Normalfall wächst es sich aus, und dieser Prozeß läßt sich durch das Tragen unterstützen, weil der ständige Druck und die Bewegung für eine gute Durchblutung sorgen.

In Deutschland werden schwere Fälle von Hüftgelenksanomalie durch routinemäßige Ultraschalluntersuchungen meist schon in den ersten Lebenswochen und damit noch im Anfangsstadium erkannt. Bei manchen Kindern, auf Grund von Veranlagung oder falscher Bewegungen, kann sich die Hüfte nämlich verrenken, der Oberschenkelkopf kann sogar ganz aus der Pfanne herausgleiten. Das tut weh und kann - unbehandelt - ein normales Gehen lebenslang unmöglich machen.

Je nach Schadensausmaß wird der Arzt dem Säugling einen Gips verschreiben, eine Spreizhose, breites Wickeln oder tägliches Tragen auf der Hüfte. Alles mit dem Ziel, Hüfte und Oberschenkel zueinander in den anatomisch günstigsten Winkel zu bringen. Besonders kindgerecht ist wiederum Tragen: Mit einem eingegipsten Baby kann man nur schwer kuscheln, und es kann wochenlang nicht mal für ein paar Minuten frei strampeln.

Man trägt wieder Kind

Der Trend ist im Deutschland des 21. Jahrhunderts jedenfalls unübersehbar: Man trägt wieder Kind. Wie viele Eltern immer oder hin und wieder den Kinderwagen stehen lassen, weiß man zwar noch nicht. Aber welche. Die Akademikerinnen sind's, hat Anja Manns in Umfragen herausgefunden. Und wenn einen dieses wunderbare Tragen gleich noch ein bißchen abhebt von der breiten Masse mit ihren Rappelbuggys, Bärchenmustern und gestylten Dreirad-Joggern - um so besser.

Ein Blick in Ratgeberliteratur, Versandkataloge, Geschäfte und Schwarze Bretter zeigt: Es gibt immer mehr Anbieter, Muster, Modelle und Methoden. Es gibt sogar zertifizierte Tragetrainerinnen und Kurse für Eltern mit kleinen Kindern und mit größeren. Das Geld für einen Kurs können sich Trageneulinge durchaus sparen - wenn sie erfahrene Freunde oder Verwandte haben, von denen sie sich einweisen lassen.

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