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Die lieben Kleinen (4) : Festgezurrt vor Mutters Busen

  • -Aktualisiert am

Konstantins Eltern kauften ein Tragetuch - und waren auf der Stelle begeistert. Der Kleine war friedlich, seine Mutter hatte trotz Kind dabei die Hände frei, etwa um Zeitung zu lesen, Wäsche aufzuhängen oder um beim Babyflohmarkt kräftig mitdrängeln zu können.

Konstantins Vater ging wieder gern mit seinem Sohn spazieren - mit strammen Schritten durch den Stadtwald, statt in gebückter Haltung hinter dem Kinderwagen herzutrippeln und sich abzumühen, nicht bei jedem Schritt auf die Bremse zu treten. Und: Festgezurrt vor Mutters Busen, wurden Konstantin im Supermarkt oder in der Straßenbahn viel seltener „die süßen, süßen Bäckchen“ getätschelt, erinnern sich seine Eltern.

Gute Noten von der Wissenschaft

Um so freimütiger werden Bedenken geäußert, wenn der Säugling im Tragetuch daherkommt. Besonders in der Großelterngeneration scheint oft noch die kollektive Sorge um den gesunden Volkskörper zu stecken: Das Kind werde dabei ja verwöhnt und verzärtelt, der Rücken verbogen, es ersticke möglicherweise und „überhaupt kann das doch nicht gut sein“.

„Ist es aber“, sagt die Pädagogin Anja Manns, die für ihre Diplomarbeit soziologische, ethnologische, medizinische und verhaltensbiologische Erkenntnisse ausgewertet hat. Fazit: Die Wissenschaft kann der seit ewigen Zeiten erprobten Technik ein Unbedenklichkeitszeugnis ausstellen, in vielen Punkten sogar ein „Sehr gut“ verteilen.

Deutlich mehr Reize beim Tragen

Zum Beispiel bietet Tragen dem Gehirn deutlich mehr Reize als Liegen, weil das Kind aufrecht in die Welt schaut und nicht nur an den Bettchenhimmel, weil jede Bewegung des Tragenden Gleichgewichtsorgane, Haut, Nerven und Muskeln stimuliert. Tragen bedeutet außerdem ständigen Körperkontakt. Das vermittelt Geborgenheit, und die ist wichtig, damit sich der für Sozialverhalten und Gefühlsverarbeitung zuständige Bereich des Gehirns richtig entwickeln kann.

Tragen verlängert den intensiven Kontakt der Schwangerschaft und festigt die Bindung zwischen Eltern und Kind. Das Tragen bietet schließlich auch den Vätern eine Chance, die Zuschauerrolle zu verlassen - besonders wichtig, wenn die Geburt und die ersten Tage wegen irgendwelcher Komplikationen nicht so kuschelig waren wie gedacht.

Keine Gefahr für den Babyrücken

Bei zu früh Geborenen gehört das sogenannte Känguruhen mittlerweile zur Standardtherapie. Selbst extreme Frühchen dürfen mehrere Stunden am Tag auf die Brust der Eltern. In ihrem Blut werden weniger Streßhormone gemessen, sie schlafen besser, weinen weniger, nehmen besser zu und dürfen früher nach Hause.

Und der Rücken? Schließlich können Kinder erst nach einem halben bis dreiviertel Jahr selbständig sitzen. Einem Baby, das seit seinen ersten Lebenstagen aufrecht getragen wird, muß es doch einfach die Wirbelsäule verbiegen und verdrehen, meinen viele. Der Münchner Kinderorthopäde Bernhard Heimkes beruhigt jedoch: „Gesunde Kinder kann man durchs Tragen in keiner Weise deformieren.“

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