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Walschutz : Nach den Harpunen der Lärm

Auf gutem Weg, aber noch haben sich die Buckelwale nicht erholt. Bild: AFP

Die Internationale Walfang-Kommission verabschiedet ihre Florianópolis-Deklaration. Damit sind die Wale aber noch lange nicht sicher.

          Flask, der dritte Maat des von Herman Melville auf See geschickten „Pequod“, hatte es auf Wale besonders abgesehen: „Er hatte nicht eine Spur von Ehrfurcht vor ihrer majestätischen Gestalt und ihren geheimnisvollen Wegen. Er hatte nicht die geringste Angst und dachte auch an keine Gefahr und war der Ansicht, der Wal wäre nur eine Maus oder allenfalls eine Wasserratte in Riesengestalt. Und man brauchte nur ein wenig Umsicht und ein wenig Zeit und Mühe aufzuwenden, um ihn abzuschlachten.“

          Sonja Kastilan

          Redakteurin im Ressort „Wissenschaft“der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Kapitän Ahab und seine Mannschaft sind sozusagen Geschichte. Die Walfischjagd, die sie im Roman „Moby Dick oder Der weiße Wal“ gar als ein königliches Geschäft verteidigen, wird heute wie damals meist als blutige Schlächterei verachtet, allen Traditionen sowie Massen an Fleisch, Tran und Speck zum Trotz. Zwar kann man König Alfred den Großen tatsächlich als Chronisten anführen, der im 9. Jahrhundert schriftlich festhielt, was darüber zu erfahren war. Archäologische Funde aus Schweden sowie Norwegen lassen annehmen, dass Skandinavier schon im 6. Jahrhundert regelmäßig loszogen, um dem Atlantischen Nordkaper nachzusetzen. Aus dessen Knochen formte man in der Eisenzeit gerne Spielsteine, von denen jetzt Tausende in Museumsarchiven liegen. Aber von wenigen Ausnahmen abgesehen, sollen Wale jetzt weiterhin unter Schutz stehen und – wenn kommerziell genutzt – höchstens noch dem Tourismus dienen: Auf See soll sich der Mensch mit der Rolle des Beobachters zufriedengeben, er ist dort kein Jäger mehr, und der von ihm verursachte Unterwasserlärm wird als schädlich verurteilt.

          Kein Rückfall in die Walfang-Ära

          Für diesen Wandel soll zukünftig die „Florianópolis-Deklaration“ stehen, zu der sich die Internationale Walfang-Kommission (IWC) vergangene Woche in Brasilien nach zähem Ringen mit einfacher Mehrheit bekannte. In limitierter Zahl ist der Walfang nur indigenen Volksgruppen in Alaska, Russland, Grönland und der Karibik gestattet, um den Eigenbedarf zu decken und ihre Kultur zu erhalten. Die Vereinbarung wird laut Agenturberichten von 41 Staaten unterstützt, wobei sich 27 Nationen dagegen aussprachen. Naturschutzorganisationen wie WWF oder Ocean Care begrüßten die Entscheidung als historische Neuorientierung, ein Rückfall in die Walfang-Ära wurde verhindert. Deren Renaissance hatte sich Japan erhofft, das seine Jagd derzeit zu angeblich wissenschaftlichen Zwecken verfolgt und Walfang kommerziell betreiben möchte, flankiert von Norwegen und Island – zwei Ländern, die sich längst nicht mehr dem seit 1986 bestehenden Moratorium eines Walfangverbots unterwerfen. Eine Haltung, die von Australien und der Europäischen Union bei dem IWC-Treffen in Brasilien scharf kritisiert wurde.

          Offiziellen Angaben zu Folge wurden 2017 rund 1380 Wale erlegt, in der Mehrzahl die kleineren Minkwale, aber auch Sei-, Buckel-, Grau-. Grönland- und die bedrohten Finnwale. Die weltweit getöteten Delfine müsste man ebenfalls dazuzählen, und das wären jährlich an die 300.000, ganz zu schweigen von all den anderen Cetacea, die in Netzen als Beifang enden, mit Schiffen kollidieren oder von deren Schrauben verletzt dem zunehmenden Frachtverkehr zum Opfer fallen. Auf Youtube sind auch zahlreiche Videos zu sehen, die zeigen, dass manche Ausflugsboote den Tieren selbst beim Whale Watching viel zu nahe kommen und mitunter fast zu kentern drohen.

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