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Skurriler Nachwuchs : Die hohe Kunst der Zeugung

Mit 62 noch Mutter – das geht beim Königspython Bild: dpa

Hier die greise Schlange, da das liebe Vieh: Wenn es um den Nachwuchs geht, hat die Natur schon Phantastisches zu bieten, aber der Mensch erst sprengt mit seinen Reproduktionskonzepten alle Grenzen. Eine Glosse.

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          Eine 62 Jahre alte Python-Dame, diese höfliche Bezeichnung sei ausnahmsweise auch für einen Königspython gestattet, hat sieben Eier gelegt, obwohl sie 15 Jahre lang keinen Kontakt mehr zu einem männlichen Artgenossen hatte. Wäre das nicht im städtischen Zoo von St. Louis geschehen, sondern in einem Genlabor, würde sich der Frankenstein-Verdacht oder die Homunculus-Analogie zwingend stellen.

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          So aber rätselt man zweifach: Denn mit 62 Jahren haben auch Riesenschlangen normalerweise ihre Reproduktionsgrenze weit überschritten. Tatsächlich überlebten nicht alle Schlangeneier, und die drei derzeit künstlich bebrüteten Eier sind noch kein Beweis für eine fakultative Parthenogenese, sprich: für eine aus der Not geborene Jungfernzeugung – wozu Reptilien prinzipiell in der Lage sind. Bliebe die Möglichkeit einer Spermatheka, einer Spermienspeicherung. Pythons können den Samen durchaus lange im Körper speichern, um ihn zu einem späteren Zeitpunkt für die Zeugung zu verwenden. Eine besondere Kunst vieler Tiere. Aber fünfzehn Jahre und ohne Kryokonservierung?

          Der Vorgang jedenfalls lässt einen staunen, ob aus feministischer Sicht oder mit männlicher Hybris, und für einen Moment die Spermienkrise des Homo sapiens vergessen. Dann halt ohne, möchte man sagen – und sei es nur, um die nicht endenden Spekulationen rund um die sinkende Spermienqualität angesichts multipler Bedrohungen wie Handys, Hitze, Luftschadstoffe, Zigaretten und hormonell wirkende Chemikalien abzukürzen. Es hilft nichts: Der Mann kommt reproduktiv ans Limit. Selbst da, wo das Samengeschäft noch blüht, in der Tierzucht, werden die Bullen, Eber und Hengste reproduktiv reduziert. In den „Proceedings“ der amerikanischen Nationalen Akademie der Wissenschaften sind in dieser Woche die Protokolle für genetisch editierte „Leihväter“ nachzulesen. Zuerst werden die Bullen gentechnisch restlos unfruchtbar gemacht, danach werden ihnen die Stammzellen preisgekrönter Artgenossen in die Hoden eingepflanzt, um dann den fremden Elitennachwuchs in Serie produzieren zu können. Das sollte auch aus dem Samenspeicher gehen.

          Es ist noch nicht lange her, da wurden australische Merinoschafe mit Spermien befruchtet, die vor 52 Jahren konserviert worden waren. Die altersfidele Riesenschlange würde staunen, wie erst der Mensch performt, wenn es drauf ankommt: Zuerst kastriert er sich selbst, nur um die Lücke später mit gefrorenem Füllsel zu schließen.

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