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Braune Nachtbaumnatter : Die Schlange mit dem Lassotrick

  • -Aktualisiert am

Paradebeispiel invasiver Arten: Die Braune Nachtbaumnatter, ursprünglich in Australien beheimatet, hat sich nun auch auf dem Archipel Guam breitgemacht. Bild: Picture-Alliance

Die Braune Nachtbaumnatter ist ein wahrer Kletterkünstler. Mit ihrer Lasso-Technik kann sie problemlos sogar glatte Metallrohre erklimmen. Auf der Insel Guam bedroht sie damit jedoch viele heimische Vogelarten.

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          Schlangen sind ein Erfolgsmodell der Evolution. Ohne Beine ausgestattet, sind sie erstaunlich flott unterwegs, im Wasser wie an Land. Vor allem in tropischen Wäldern, wo sich potentielle Beutetiere hauptsächlich auf Bäumen tummeln, klettern viele Schlangen munter durchs Geäst. Am besten funktioniert das, wenn Zweige oder eine rauhe Rinde genügend Widerstand bieten, um sich schlängelnd fortzubewegen. Doch selbst an sehr glatten Ästen haben Schlangen gute Aufstiegschancen: Indem sie ihren Körper in Schlaufen legen, können sie sogar senkrecht stehende Stangen fest im Griff halten. Wenn sich ihr Hinterleib verankert hat, schlängelt sich ihr Vorderkörper weiter in die Höhe. Hat dieser sich ebenfalls festgeklammert, lässt sich der Hinterleib nachziehen. Stück für Stück können sich Schlangen so nach oben robben.

          Allerdings bleibt Schlangen der Aufstieg verwehrt, wenn eine Stange oder ein Baumstamm mit glatter Rinde zu dick ist für diese Art der Fortbewegung. Davon waren die Biologen bislang jedenfalls überzeugt – bis die Braune Nachtbaumnatter (Boiga irregularis) sie eines Besseren belehrt hat. Erstaunlicherweise kann diese in Australien und auf etlichen Inseln des Südpazifiks heimische Spezies doppelt so dicke Zylinder hinaufklettern wie andere Schlangen derselben Größe.

          Ein Rohr mit einem Umfang von 64 Zentimetern zu erklimmen gelingt sogar Exemplaren, die selbst kaum doppelt so lang sind. Das haben Wissenschaftler um Julie Savidge und Thomas Seibert von der Colorado State University in Fort Collins bei einem Forschungsaufenthalt auf Guam, der größten Insel des Marianen-Archipels, entdeckt. Gemeinsam mit Bruce Jayne von der University of Cincinnati, Ohio, beobachteten sie, dass die Braune Nachtbaumnatter eine Klettertechnik anwendet, die bislang von keiner anderen Schlange bekannt ist.

          Als Forschungsobjekte dienten Tiere, die das Department of Agriculture, Wildlife Services auf Guam eingefangen hatte. In ein Freigehege einquartiert, waren die Nachtbaumnattern dann aufgestellten Rohren ausgesetzt, deren oberes Ende verlockenden Mäuseduft verströmte. Einige Reptilien nahmen diese Herausforderung tatsächlich an und kletterten an dem glatten Metall hinauf. Wie Aufnahmen mit Infrarotkameras zeigen, beginnt ein Aufstieg damit, dass sich die Schlange komplett um das Rohr herumwindet. Dabei entsteht eine griffige Schlinge, aus der sich der Vorderkörper suchend in die Höhe reckt. Dass sich die Schlinge vorzeitig öffnet, verhindert eine Art Greifschwanz, ziemlich kurz, aber kraftvoll zupackend.

          Vier Millimetern pro Sekunde in die Höhe

          In der Zeitschrift Current Biology  berichten die Biologen um Julie Savidge, wie sich die Schlange an dem glatten Rohr hinaufbewegt: Sie schlängelt auch innerhalb der Schlinge, um möglichst nicht abzurutschen. Wo sie die Umklammerung zeitweilig löst, schiebt sich ihr Körper ein klein wenig nach oben und drückt sich dann wieder fest an das glatte Rohr. Mit durchschnittlich vier Millimetern pro Sekunde kommt die sonst so agile Nachtbaumnatter auf diese Weise allerdings nur langsam voran. Dass sie gelegentlich abrutscht und zwischendurch immer wieder heftig atmend eine Pause einlegen muss, macht den Aufstieg noch langwieriger. Doch die Mühe lohnt sich. Mit ihrer unorthodoxen Klettertechnik kann die Braune Nachtbaumnatter auch dort nach Beute suchen, wo andere Schlangen keinen Zugang haben.

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