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Die Ärzte mit den guten Händen : Der Sextoy-Mythos

  • -Aktualisiert am

Sex-Spielzeuge auf der Erotikmesse Venus (Archivbild). Bild: dpa

In der langen Geschichte des Sexspielzeugs mischen sich Dichtung und Wahrheit – besonders wenn es um Heilmethoden der Hysterie geht: Ein Kapitel ist so skandalös wie falsch. Obwohl sogar ein Hollywood-Streifen darüber gedreht wurde.

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          Es ist eine delikate, aus heutiger Sicht skandalöse Geschichte. Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Hysterie von Frauen mit Massagen der Klitoris behandelt. Ihr Orgasmus war Sinn und Zweck der Therapie, einziges Problem: Die notwendige Handarbeit schlug den Ärzten regelrecht auf die Finger, manche litten gar unter der Belastung wie bei einem Tennisarm. Die Prozeduren waren zeitaufwendig. Gut, dass der englische Arzt Joseph Mortimer Granville im Jahr 1883 den elektrischen Vibrator erfand. Sein „Hammer“ erinnerte an einen Bohrer mit kleiner Kugel an der Spitze, die auf Knopfdruck ruckelte. Die studierten Finger konnten Pause machen, und die Therapie ging deutlich schneller. Statt eine Stunde zu verschwenden, erledigte der Vibrator die Arbeit in Minuten.

          In Magazinen und auf Wikipedia wird diese Story gerne zitiert, selbst in der Wissenschaft. Geht es um Sexspielzeuge darf das historische Kapitel zur Hysterie nicht fehlen, und mit ihrem Film „In guten Händen“ brachte die Regisseurin Tanya Wexler die hübsche Episode im Jahr 2011 sogar ins Kino. Bald darauf brachte das amerikanische Unternehmen Jimmyjane auch eine Reihe sogenannter Hysterie-Vibratoren auf den Markt. Auf der Verpackung prangte ein Arztbrief mit der Aufschrift „Hysterie“, was als Diagnose meist genauso unseriös wie allumfassend war, und heute gehört die Geschichte praktisch zum Allgemeinwissen mit nur einem Schönheitsfehler: Sie ist falsch. Zu diesem Schluss kommt eine Studie, die 2018 im Journal of Positive Sexuality erschienen ist. Es gebe keinerlei Beweise, dass Ärzte jemals elektromechanische Vibratoren verwendeten, um Orgasmen bei weiblichen Patienten zu induzieren, heißt es im Fachbeitrag mit dem entlarvenden Titel „A failure of academic quality control: The Technology of Orgasm“. „Massagen der weiblichen Genitalien waren nie eine routinemäßige medizinische Behandlung für Hysterie“, fasst Hallie Lieberman, Historikerin und Mitautorin, zusammen.

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