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Der Ursprung von Aids : Impfen ohne Grenzen

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Die Stammbaumanalysen lassen sich so interpretieren, dass HIV anschließend von Kinshasa aus entlang von Eisenbahnstrecken gewandert ist. Zuerst tauchte es um 1937 in der Minenstadt Lubumbashi auf. Zwei Jahre später erreichte der Erreger vermutlich Mbuji Mayi im Süden der belgischen Kolonie, wo sich später der HIV-Subtyp MC abgespalten und durch Wanderarbeiter über den gesamten afrikanischen Kontinent ausgebreitet hat.

Im Rest der Welt, vor allem im Westen, dominiert dagegen ein anderer Subtyp, nämlich MB. Warum das so ist, können auch die Forscher um den Belgier Philippe Lemey nicht genau sagen. Bei der statistischen Methode des „phylogeographischen Fußabdrucks“ gehe es lediglich um Wahrscheinlichkeiten, nicht um endgültige Wahrheiten, räumt Lemey ein. Immerhin ließen sich nun einige Verbreitungswege „eindeutiger und regional detaillierter“ nachweisen, sagt der deutsche HIV-Forscher Frank Kirchhoff von der Universität Ulm.

Unabhängigkeit und Chaos

Als die ehemalige Kolonie Belgisch-Kongo sich 1960 zur unabhängigen Republik erklärte, explodierte die Lage in Kinshasa. Die Weißen flohen und hinterließen ein Chaos. Unter ihrer Herrschaft hatten ganze dreißig Einheimische eine akademische Ausbildung genossen, einige hundert waren als Priester ausgebildet worden. Die hygienischen Verhältnisse waren katastrophal. Massen strömten in die Stadt, die bald einen zweifelhaften Ruf als „Afrikas Bordellhauptstadt“ erlangte. An die Stelle der freien Frauen traten die „Flamingos“, die jährlich bis zu tausend Freier bedienten.

Die Vereinten Nationen forderten damals Freiwillige aus anderen Ländern auf, der jungen Republik Kongo zu helfen. Unter anderem meldeten sich knapp fünftausend schwarze Haitianer, die gut ausgebildet waren und Französisch sprachen. Viele von ihnen kehrten später in ihre Heimat zurück. Um 1966 herum tauchte HIV erstmals in Haiti auf.

Ein Anführer der haitianischen Geheimpolizei, ein gewisser Luckner Cambronne, auch „Vampir der Karibik“ genannt, betrieb dort Anfang der siebziger Jahre ein Geschäft mit Blutspenden. Zeitweilig soll er monatlich bis zu sechstausend Liter Blutplasma in die Vereinigten Staaten geliefert haben. Dies könnte der Weg gewesen sein, auf dem Aids in den Westen gelangt ist. Jedenfalls schwelte die Immunschwächekrankheit schon länger im Verborgenen, bis sie 1981 erstmals in den Schwulenbars von San Francisco gesichtet wurde. Seither haben sich nach groben Schätzungen mehr als 75 Millionen Menschen infiziert. Noch heute sterben nach Angaben der WHO jährlich 1,6 Millionen Patienten an den Folgen der Ansteckung.

Lässt sich aus dem Vormarsch von Aids eine seuchenhistorische Lehre ziehen? Konkreter gefragt: Gibt es Parallelen zwischen HIV und Ebola? Die Seuchendetektive sind sich da uneins. Nein, sagt Philippe Lemey, die sozialen und kulturellen Begleitumstände beider Epidemien seien nicht zu vergleichen. Doch, sagen andere Experten, aus dem Studium der Erreger könne man ableiten, was genau sie dazu befähigt hat, im Dunkel des Urwalds auf den Menschen überzuspringen. Der Blick in die Vergangenheit ist kompliziert, aber möglich. Ob das auch für den Blick in die Zukunft gilt, muss sich erst noch zeigen.

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