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Biologe John Sulston tot : „Anti-Kapitalist“ der Genforschung

John Sulston (1942 - 2018). Bild: AP

Er war als großer Gegenspieler des Gen-Unternehmers Craig Venter ein Ritter ohne Furcht und Tadel: Zum Tod des Nobelpreisträgers John Sulston.

          Die Genomforschung und die „Open Science“-Bewegung hat eine Jahrhundertfigur verloren. Der Brite Sir John Sulston konzentrierte auf sich alles Gute, was mit der Entschlüsselung des menschlichen Genoms versprochen wurde. Er hatte den richtigen Charakter, um zum großen Gegenspieler des kalifornischen DNA-Usurpators Craig Venter zu werden.

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Wann immer dieser die akademische Welt in den neunziger Jahren mit PR-Coups überraschte und fast drohend ankündigte, die Basisinformation aus dem „Buch des Lebens“, das in unserem Erbgut kodiert ist, in seine Genfirma und damit für die kommerziellen Verwertung zu übernehmen, erinnerte der Brite Sulston an die gewaltige moralische Aufgabe, die das Jahrhundertprojekt der Biologie für Generationen mit sich bringt. Mit öffentlichen Geldern finanzierte Forschung gehörte für ihn nicht in kommerzielle Hände, schon gar nicht, betonte der Sohn eines anglikanischen Geistlichen, Informationen wie jene aus der Genomforschung, die künftig Millionen Kranken helfen und Leben retten sollte.

          Der selbsterklärte „Anti-Kapitalist“, der in Cambridge in organischer Chemie promovierte und acht Jahre lang den Welcome Trust sowie den britischen Arm des Internationalen Humangenomprojektes leitete, sah auch mit der Genpatentierung den wissenschaftlichen Fortschritt bedroht. Tony Blair und Bill Clinton, die kurz nach der Jahrtausendwende die ersten Genom-Entwürfe Venters und des öffentlichen Humangenomprojektes im Weißen Haus präsentierten, schalteten seinerzeit Sulston per Video zu und adelten damit auch sein Plädoyer für Gemeinnützigkeit. Wenig später, 2002, wurde dem Briten als erstem und bisher einzigem Vertreter des Humangenomprojektes der Medizin-Nobelpreis zugeschrieben.

          Nicht wegen seiner ritterlichen Haltungen im Genomprojekt, sondern wegen seiner molekularbiologischen Vorleistungen bei der Aufklärung von Entwicklungsgenen des Fadenwurms Caenorhabiditis, die er schon in den siebziger Jahren zusammen mit den Nobelpreisträgern Sydney Brenner und Robert Horvitz vorangetrieben hatte. Wie jetzt bekannt wurde, ist Sulston am Dienstag kurz vor seinem sechsundsiebzigsten Geburtstag gestorben.

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