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Demographischer Wandel : Gut altern

  • -Aktualisiert am

So kennt man vitale Rentner aus der Werbung: mit Blick aufs Meer. Behalten diese Kampagnen recht? Bild: dpa

Produktiver, reicher und gesünder: Was Max-Planck-Forscher jetzt der alternden Gesellschaft in Deutschland prophezeien, hat man so noch nicht gehört. Liefert der demographische Wandel Gründe für Optimismus?

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          Im Zuge der öffentlichen Debatte über das Altern und den demographischen Wandel wird vor allem über Belastungen geredet. Darüber, dass die Rentenkassen leer sein werden, dass immer mehr Menschen betreut werden müssen, dass es nicht genug Pflegekräfte geben wird, dass die Gesellschaft in Demenz versinkt und dass der Arbeitsmarkt leergefegt sein wird. Für die westlichen Industrienationen scheint es nur eine Perspektive zu geben – eine Zukunft als gigantisches, teures und unterversorgtes Altersheim.

          Ökologischer, reicher und gesünder

          Dagegen setzen Fanny Kluge vom Max-Planck-Institut für demographische Forschung in Rostock und ihre Kollegen eine andere, weitaus optimistischere Perspektive. Sie prophezeien in der Zeitschrift Plos One (doi: 10.1371/journal.pone. 0108501), dass die alternde Bevölkerung in Deutschland produktiver, ökologischer, reicher und gesünder sein wird und mehr Freizeit haben wird. Was spricht dafür? Produktiver wird die Gesellschaft sein, weil immer mehr Bundesbürger mit höherem Bildungsabschluss altern. Im Jahr 2008 hatten 21 Prozent der über Fünfzigjährigen höhere Bildungsabschlüsse, im Jahr 2053 werden es 34 Prozent sein. Der Rückgang der Arbeitskräfte könnte dann in Teilen durch die höhere Produktivität der gebildeteren Bundesbürger kompensiert werden.

          Ökologischer könnte die Zukunft werden, weil alte Menschen weniger konsumieren und reisen als jüngere Menschen. Die Sesshaftigkeit der Alten wird dann zusammen mit dem Schrumpfen der Gesellschaft zu einem Rückgang der Kohlendioxidemissionen führen. Reicher werden die Menschen sein, weil das Vermögen auf weniger Kinder verteilt wird. Die Erben können mit dem Geld ihre Rente aufbessern oder ihren Kindern finanziell unter die Arme greifen. Gesünder wird die alternde Gesellschaft sein, weil es weniger Krankheiten geben wird. Ein Deutscher wird 2050 rund achtzig Prozent seiner Lebenszeit bei guter Gesundheit verbringen, heute verbringen die Menschen in Deutschland nur 63 Prozent ihrer Lebenszeit bei guter Gesundheit. Auch das Verhältnis von Arbeit, Freizeit und Hausarbeit soll in Zukunft zugunsten der Freizeit verschoben werden. Statt Schufterei also mehr Müßiggang. Alt werden ist die einzige Möglichkeit, lange zu leben. Vielleicht sind die Aussichten doch nicht so düster, wie man bisweilen glauben konnte: Denn wer will nicht leistungsfähiger, wohlhabender, gesünder und ausgeruhter sein?

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