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Erbgut-Daten : China forscht mit, bereichert sich China?

Wie viel Informationen über einen Menschen stecken in einer Blutprobe? Bild: dapd

Wer braucht schon Amerika? Deutsche Forscher werden von China mit Genom-Sequenzierautomaten versorgt, die Chinesen bekommen dafür Patientendaten. China nimmt, was es kriegen kann. Ein Kommentar.

          Um ein biopolitisches Beben wie das, welches die chinesische Akademie vergangene Woche mit der „Cell“- Publikation über die ersten Klonaffen ausgelöst hat, zu überhören, musste man früher entweder auf einem Hochseedampfer unterwegs sein oder in der Wüste. In Washington zumindest war das Klonen, ja jeder Eingriff in Keimzellen, die ganzen Jahre über eine schlimme Sache. Zumindest im politischen Washington der Republikaner. Für die Wirtschaft hat man ganz patriotisch ein Auge zugedrückt, weil es innovationspolitisch als Schritt nach vorne galt und die Profite zu mehren versprach.

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Heute verspricht man sich in Washington von Wissenschaft und Ethik nicht mehr viel. Wissenschaft ist ausgebootet, und um biopolitische Skandale schert man sich nicht mal mehr um des eigenen parteipolitischen Vorteils willen. China, nicht mehr Trumps Amerika, erhebt offen den Führungsanspruch. „Zhong Zhong“ und „Hua Hua“, die beiden geklonten Javaneräffchen, deren Namen zusammen „Zhonhua“ – übersetzt: unser chinesisches Volk – ergibt, verkörpern diese Haltung in Reinkultur.

          Schwindendes Interesse an Amerika

          Ein Volk von Erfindern und Grenzgängern meldet sich zurück. So was muss historisch nicht weiter beunruhigen, wären da nicht die pseudowissenschaftlichen Auswüchse, von denen diese Machtverschiebung auf beiden Seiten begleitet wird – Populismus auf der einen und Abschottung auf der anderen Seite. China fährt da allerdings derzeit die geschicktere Strategie. Wenn deutsche Humangenomforscher beispielsweise verlässliche Partner suchen, so wie an der Saarländischen Universität, dann werden sie bei den großzügigen Chinesen eher fündig als im forschungspolitisch zerknirschten Westen. Das führt dann dazu, dass Patientenproben aus klinischen Studien, die in Deutschland gewonnen werden, nach Shenzen verschickt, dort genomisch entziffert und die Daten schließlich auf den chinesischen Servern abgespeichert und ausgewertet werden. Forschungskooperationen haben ihren Preis. Und der heißt im Zweifel auch: Patientendaten werden geteilt, ob nun Amerikaner oder Chinesen die Daten absaugen.

          Dass bei solchen Projekten nicht jedem wohl ist, der sich um Datensouveränität und -sicherheit kümmert, kann niemanden überraschen. Und so zeigt die nationalistische Stilisierung der Affenklone durch die Chinesen überdeutlich, welche eigentliche Brisanz in der anhaltenden amerikanischen Antriebslosigkeit liegt.

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