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Biotechnik : Eiskalte Klone

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          Aus dem Eis zurück ins pralle Leben – hinter dieser mutigen Fiktion, die Filmregisseur Marco Brambilla 1993 in seinem „Demolition Man“ mit den beiden aufgetauten Gefrierhäftlingen und Gegenspielern in Gestalt von Wesley Snipes und Sylvester Stallone in Szene gesetzt hatte, steckt offenbar mehr Substanz als gedacht.

          Joachim Müller-Jung
          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Wenige Wissenschaftler hielten es jedenfalls für denkbar, aus Jahrzehnte in Eis gelagerten Körpern noch lebensfähiges Gewebe oder gar ganze Organismen wiedergewinnen zu können. Von einigen japanischen Klonkünstlern werden sie jetzt eines Besseren belehrt. Teruhiko Wakayama, einer der Klonpioniere und anerkanntermaßen der geschickteste Handwerker unter den Genomtransplanteuren, hat mit seinen Kollegen am „Riken“-Zentrum für Entwicklungsbiologie in Kobe aus seit sechzehn Jahre toten und bei minus zwanzig Grad gelagerten Labormäusen offensichtlich intakte Klonmäuse hergestellt.

          Neue Aussichten auf Konservierung aussterbender Arten

          Darüber berichten die Forscher heute in der Online-Ausgabe der „Proceedings“ der amerikanischen Nationalen Akademie der Wissenschaften. Antrieb für ihre Arbeiten seien die Überlegungen, ausgestorbene oder aussterbende Tierarten auf dem Weg der Kryokonservierung vorübergehend biochemisch zu erhalten und später gegebenenfalls durch Klonierung des Genmaterials „zum Leben zu erwecken“. Selbst der Absicht, im Polarboden konservierte Mammuts für solche Klonversuche zu nutzen, können die Biotechniker einiges abgewinnen. Aus der Idee könnten nun Pläne werden. Denn nun scheint klar, dass sogar bei der Kryokonservierung ohne Frostschutzmittel genügend reprogrammierbares Erbmaterial im Gewebe übrig bleiben kann. Zumindest in einigen Organen wie dem Gehirn sowie im Blut.

          Doch Mütter braucht es

          Bislang dachte man, dass sich beim Einfrieren Eiskristalle in so hoher Dichte bilden, dass das Zellmaterial weitgehend zerstört wird. Tatsächlich fand Wakayama bei den Gefriermäusen zwar keine lebensfähigen Zellen mehr. Aber in „Unterkompartimenten“ der Zellen habe man genügend Genommaterial für die Reprogrammierung gefunden. Der Engpass in der „Wiederbelebung“ ausgestorbener Arten liege deshalb weniger in der Klontechnik als in der Suche nach Eizellspenderinnen. Denn im Endeffekt muss schon auch eine Amme gefunden werden, die den artfremden Klon auszutragen imstande ist.

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