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Biologisches Kopieren : Ein Klon, ein guter Klon ...

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Kurz davor, die Flinte endgültig ins Korn zu werfen, entschlossen sich die frustrierten Texaner zu einem letzten Experiment. Vielleicht spekulierte einer von ihnen doch: Nehmen wir eine Glückskatze, schaden kann es nicht. So oder so wählten sie Rainbow. Und zum Klonen nahmen sie diesmal keine Fibroblasten, sondern Cumuluszellen. Diese Art von Zellen finden sich im Eileiter, ihre Aufgabe besteht normalerweise darin, eine reifende Eizelle zu ernähren, bevor sie selbst zugrunde gehen. Aber jetzt wuchsen sie aus irgendeinem Grund über sich heraus: Nur drei Embryonen und eine Ersatzmutter namens Allie (aus einer Zuchtanstalt für Versuchstiere in Wisconsin) waren nötig, um den Glücksklon zu produzieren, auf den alle so sehnsüchtig gewartet hatten.

Er kam am 22. Dezember 2001 durch Kaiserschnitt zur Welt, lebhaft wie nur je ein Kätzchen. Die Texaner tauften es CC. Wie „copy cat“ oder „carbon copy“ (Kohlepapier-Durchschlag), ein Begriff, der sich aus dem Zeitalter der Schreibmaschine in die Welt der E-Mails herübergerettet hat.

CCs süße Erscheinung brachte den Katzenklon sofort auf die Seiten von Nature. Und von da aus direkt in die Redaktionen und Herzen von Lesern und Zuschauern in aller Welt. Die sich nach einem Moment des Entzückens die Augen rieben: CC sah zweifellos anders aus als Rainbow. Nicht dreifarbig, sondern zweifarbig. Schwarz und weiß, ohne jede Spur von rot. CC war keine Kopie. Sondern ein Individuum mit nicht vorhergesehenen Eigenschaften.

Für Lou Hawthorne war es noch etwas mehr als das, nämlich ein Desaster. „Wir hatten auf einmal die zweifelhafte Ehre, den ersten Klon der Welt produziert zu haben, der nicht seinem Spender ähnelt.“ Keine guten Voraussetzungen für einen Börsengang.

Die Dinge liegen nicht ganz so einfach

Was war passiert? Waren Proben verwechselt worden? Ähnlich wie in einem Kriminalfall wurden genetische Fingerabdrücke von Rainbow, von ihren Cumuluszellen, von CC und seiner Ersatzmutter Allie genommen. Der Vergleich von sieben individuell hoch variablen DNA-Abschnitten räumte den Verdacht der Schlamperei vom Tisch: Rainbows Muster war in allen Punkten identisch mit dem von CC, das von Allie nur in einem einzigen. Also konnte man getrost annehmen, dass auch der Rest des Erbguts übereinstimmte.

In ihrer Nature-Veröffentlichung deuteten Kraemer und seine Kollegen an, warum die Cumuluszellen der Glückskatze keinen dreifarbigen Zwilling hervorgebracht hatten: „Wie bei anderen Tieren unterliegen die Fellfarben bei Katzen nicht nur genetischen Faktoren, sondern auch Einflüssen auf die Entwicklung, die nicht vom Erbgut gesteuert werden.“ Das war im Februar 2002 schon ein beherzter Satz. Die Mehrheit der Genetiker und des Publikums war zu diesem Zeitpunkt felsenfest überzeugt, die Entzifferung des Genoms werde auch die letzten Geheimnisse lüften.

Die Fellfarben der Katze sind ein schönes Beispiel dafür, dass die Dinge nicht ganz so einfach liegen. Natürlich spielen Gene eine Rolle. Sie sind verantwortlich für die Produktion der Haarpigmente. Eumelanin färbt sie, je nach Konzentration, braun bis schwarz, Phäomelanin bringt gelbe bis rötliche Töne hervor.

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