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Biologisches Kopieren : Ein Klon, ein guter Klon ...

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Was geschieht stattdessen? Es liegt auf der Hand, dass die Rückprogrammierung einer erwachsenen Körperzelle in den jungfräulichen Status nicht durch die Gene der empfangenden Eizelle gesteuert werden kann - schließlich werden sie beim Klonen samt Zellkern komplett entfernt. Es müssen „epigenetische“ Faktoren aus dem umgebenden Zellplasma sein, die das lange Zeit nicht für möglich gehaltene Wunder einer Jungbrunnen-Kur vollbringen.

Stammzellforschern ist es mittlerweile gelungen, einige dieser Faktoren zu identifizieren. Ob sie allein schon zur „Totipotenz“ führen, also zur Fähigkeit einer Zelle, prinzipiell alle Arten von Körperzellen hervorzubringen, oder nur zu eingeschränkter „Pluripotenz“ - das gehört zu den zentralen Fragen der Stammzellforschung.

Fürs Klonen allerdings ist ein tiefes Verständnis zellbiologischer Grundlagen nicht unbedingt erforderlich. Die Technik schreitet eher nach dem Prinzip von Versuch und Irrtum fort. Viel hängt von manuellem Geschick, der Zusammensetzung der Nährmedien und anderen technischen Kniffen ab, die von Labor zu Labor weitergereicht werden, oder auch nicht, je nachdem, wie scharf der Wettbewerb gerade ist.

1997, als das Projekt Missyplicity anlief, besaßen nur eine Handvoll Forscher die nötige Expertise, um ein Säugetier zu klonen. An Versuchen hatte es zwar nicht gefehlt: Der vom Bodensee stammende Österreicher Karl Oskar Illmensee behauptete bereits Anfang der achtziger Jahre, drei Mäuse geklont zu haben. Nur konnte niemand seine Versuche wiederholen. Öffentlich wurde er daraufhin geächtet, doch in manchen Fachkreisen hielt sich die Bewunderung für sein „magisches Händchen“. Nicht nur Ian Wilmut und Keith Campbell vom schottischen Roslin Institute hielten Illmensees Experimente für einen Geniestreich. Ohne sein Vorbild hätten sie sich gar nicht erst an das Klonen eines Schafs herangemacht, gestanden sie Jahre später.

Er konnte es sich offenbar leisten

Auch in Nordamerika und Südkorea trieben Forscher wie Steen Willadsen oder Hwang Woo Suk im Stillen das Klongeschäft, ohne groß an die Glocke zu hängen, worauf sie hinauswollten. In Texas, wo die hochtechnisierte Zucht von Rindern Tradition hat und man in Ethikfragen eher robust veranlagt ist, schaute der eine oder andere Fortpflanzungskundler mal vorbei. Hier schien sogar genügend Geld da zu sein, ein im Prinzip überflüssiges Schoßtier zu klonen. Wer immer sich das wünschte - er konnte es sich offenbar leisten.

In Wahrheit war das sogar noch untertrieben. Denn die großzügige Spende an die Veterinäre der Texas A&M stammte, wie sich nach und nach herumsprach, von John Sperling. Der Sohn eines Eisenbahnarbeiters aus Missouri hatte es zwar nicht vom Tellerwäscher, aber immerhin vom Matrosen der Handelsmarine zum Milliardär gebracht. Die University of Phoenix, Amerikas größte private Bildungseinrichtung mit einem Börsenwert von knapp 14 Milliarden Dollar, war sein Lebenswerk.

Sperlings Engagement für die Klonforschung war privaten Ursprungs. Missy gehörte Joan Hawthorne, einer guten Bekannten, beide hielten den Mischling für geeignet, in die Annalen der Biologie einzugehen. Joan Hawthornes Sohn Lou, der sich bis dahin als Dokumentarfilmer und Multimediadesigner hervorgetan hatte, bekam den Auftrag, die Sache in die Hand zu nehmen.

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