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Biologisches Kopieren : Ein Klon, ein guter Klon ...

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Eine dreifarbige Katze gilt seit eh und je als Glücksbringer. „Sie schützt das Haus vor Feuer und die Menschen vor dem Fieber“, heißt es in Brehms Tierleben, „wer sie ertränkt, hat fernerhin kein Glück mehr, wer sie totschlägt, muss es von hinten tun.“ Dreifarbige Katzen an Bord eines Schiffes sollen Stürme fernhalten. In Japan sind sie besonders beliebt: Maneki Neko, die allgegenwärtig winkende Katzenfigur, wird meist in der dreifarbigen Ausführung verkauft. Der Legende nach soll Fürst Naotaka von einer dreifarbigen Katze während eines Gewitters in ein Kloster hineingewunken worden sein, was ihm das Leben rettete, weil in den Baum, unter dem er Schutz gesucht hatte, gleich darauf ein Blitz einfuhr; anderen Quellen zufolge setzte die Verbreitung des Katzensymbols erst im 19. Jahrhundert ein, als japanische Bordellbesitzer unter der westlich orientierten Meiji-Regierung gezwungen wurden, ihre hölzernen Glücks-Phalli vom Hausaltar zu holen und durch ein unverfänglicheres Symbol zu ersetzen.

Hatten die Texaner Hintergedanken? War eine Prise Aberglauben im Spiel, weil es einfach nicht klappen wollte? „Wir haben uns nicht groß was dabei gedacht“, sagt Duane Kraemer. Aus seiner Sicht hätte es auch irgendeine andere Katze sein können. Generell haben Katzen aus der Sicht eines Reproduktionsmediziners Vorteile gegenüber Hunden. Künstliche Befruchtung wird an der Hauskatze seit längerem praktiziert; Zoologen dient sie als Modell für ihre wild lebenden Verwandten, die, angefangen vom Luchs bis zum bengalischen Tiger, allesamt vom Aussterben bedroht sind.

Sie wurden mit dem Skalpell zerhackt

Kraemer konnte also auf einen gewissen Erfahrungsschatz zurückgreifen, als er sich daranmachte, statt einer Missy-Kopie erst einmal ein Katzen-Ebenbild zu klonen. Schon das Ausgangsmaterial war wesentlich einfacher zu beschaffen: Eine Sterilisierungsklinik in Houston lieferte Eierstöcke in der gewünschten Menge. Sie wurden mit dem Skalpell zerhackt, die Eizellen unter dem Mikroskop aussortiert und 24 Stunden lang in einer hormonell angereicherten Nährbrühe kultiviert.

Anders als beim Hund wachsen Katzen-Eizellen auch außerhalb des Körpers bis zur Befruchtungsreife heran. Weil geschlechtsreife Katzen zwischen Frühjahr und Herbst alle zwei bis drei Wochen rollig werden, standen außerdem jederzeit genügend Ersatzmütter zur Verfügung, die den Klon austragen konnten. Kopfzerbrechen bereitete immer noch der eigentliche Akt des Klonens.

Bis heute ist unklar, welche Faktoren dafür verantwortlich sind, dass eine erwachsene Körperzelle, die nicht zur Keimbahn gehört, wieder in ihren Urzustand zurückkehren kann. Um eventuell einen neuen Organismus hervorzubringen, müssen längst stillgelegte Gene wieder angeschaltet werden. In der Keimbahn durchlaufen Ei- und Samenzellen zu diesem Zweck eine komplizierte Reifeteilung, die Meiose, bei der die elterlichen Erbanlagen neu gemischt und anschließend zu einem einfachen Chromosomensatz reduziert werden. Bei asexueller Fortpflanzung wie dem Klonen fällt dieser Vorgang flach.

Das Prinzip von Versuch und Irrtum

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