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Biodiversität : Vielfalt schützt Vielfalt

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Volkskünstler während der Eröffnungszeremonie der UN-Weltnaturschutzkonferenz (COP 15) in der südwestchinesischen Provinz Yunnan auf. Bild: dpa

Nicht-englische Sprachen in der Wissenschaft auszuschließen, das wäre zu kurz gedacht. Gerade wenn es um die Biodiversitätsforschung geht.

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          Nicht für jeden akademischen Austausch ist Englisch die Sprache der Wahl. In den Geisteswissenschaften gibt es noch eine Wertschätzung für die Vielsprachigkeit der Forschung. Manchmal liegt das an dem Nischencharakter eines Fachgebiets, manchmal auch an der Eigenwilligkeit der Sprache: Das Heidegger’sche Nichts nichtet eben besser als das Nothing noths. Anders sieht es in den Naturwissenschaften aus. In der Physik geistern zwar noch ein paar altgriechische Begriffe herum, die biologischen Artennamen sind latinisiert. Ansonsten aber scheint es, als wären in den Publikationen alle Sprachen außer Englisch ausgestorben oder zumindest vom Aussterben bedroht und in jedem Fall von verschwindender Bedeutung.

          Ein Irrtum, sagt eine Studie in Plos Biology, und weiter, dass dieser Irrtum möglicherweise Konsequenzen für die Bewahrung der Artenvielfalt hat. Wissenschaftler rund um den Globus haben untersucht, welche Bedeutung es hat, bei Forschungen zum Erhalt von Biodiversität nichtenglische Studien zu berücksichtigen. Nach der Analyse von mehr als 300 Journalen in 16 Sprachen kamen sie zu einer Antwort: Vermutlich verpasst man einiges, wenn man die englischsprachige Publikationswelt nicht verlässt. Ein Drittel der Studien über den Erhalt der Biodiversität erscheint in anderen Sprachen. Für mehr als 200 bedrohte Vogelarten gibt es gar keine Studien auf Englisch, die die Wirksamkeit von Artenschutz dokumentieren. Gerade in so artenreichen Teilen der Erde wie Lateinamerika werden solche Studien eben beispielsweise nur auf Portugiesisch veröffentlicht. „Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt“, so wird am Ende der Studie Ludwig Wittgenstein zitiert. Der Artenschutz beschränkt sich nicht auf die akademische Welt oder die politische, die sich derzeit in China zum UN-Biodiversitätskongress trifft.

          Es geht um viel mehr als nur um die englischsprachige Welt. Die verbleibenden Sprachbarrieren sollten also nicht als Aufgabe begriffen werden, Englisch noch energischer als Wissenschaftssprache durchzusetzen. Die Vielfalt der Sprachen in der Wissenschaft zu unterdrücken, wenn es um Artenvielfalt geht, wäre zu kurz gedacht, besonders weil man damit die lokale Forschung in vielen Teilen der Welt erschweren würde.

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