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Bedrohte Menschenaffen : Eine Hängepartie für Orang-Utans

  • -Aktualisiert am

Vom Aussterben bedroht: Ein Orang-Utan mit seinem erst wenige Tage altem Jungen. Bild: dpa

Die Orang-Utan-Völker schrumpfen rapide. Wir verlieren 100.000 Tiere und retten 1000. Forscher glauben dennoch: Die nahen Verwandten können vor dem Aussterben bewahrt werden.

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          Mutter und Junges sitzen ruhig in einem Baum und schauen auf die Gruppe Menschen herab, die, Entzückungsrufe raunend, Handys, Ferngläser und gigantische Teleobjektive in die Höhe halten. Nach einer Weile hangelt sich das Orang-Utan-Weibchen mit ihrem Jungen am Bauch, vom Dauerklicken der Kameras begleitet, geschickt am Waldrand entlang bis zum nahen Gärtchen eines Angestellten: Dort wächst ein Baum mit Früchten, die dreimal so groß sind wie eine Ananas. Geschwind beißt sie eine ab, transportiert sie zwischen den Zähnen in den nächstgelegenen hohen Baum und vertilgt sie dort genüsslich.

          Das Danum Valley Conservation Center ist einer der wenigen Orte im Nordosten der Insel Borneo, wo noch Primärregenwald steht. Ein Wald also, der weitgehend von Menschen unberührt geblieben ist – 130 Millionen Jahre lang. Er zählt zu den ältesten und artenreichsten der Erde und ist auch Heimat der Orang-Utans.

          Solche Wälder sind rar geworden auf Borneo, und so verschwinden auch die Waldmenschen, wie die roten Menschenaffen auf Malaiisch heißen. Und das dramatisch schnell: Seit 1999 sank ihre Zahl um geschätzte 100.000 Tiere, das entspricht einem Rückgang von mindestens 25 Prozent. So lautet das Fazit einer Studie, die im Februar veröffentlicht wurde und an der Forscher des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie und des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) in Leipzig beteiligt waren. So kritisch die Situation erscheint, noch lässt sich der Abwärtstrend aufhalten.

          „Wir haben so viele Tiere verloren, dass wir die Artenschutzstrategien der vergangenen Jahrzehnte nun auf den Prüfstand stellen: Was hat funktioniert? Was hat nicht funktioniert?“, fragt Erik Meijaard, Gründer von „Borneo Futures“, einem Netzwerk aus 350 Wissenschaftlern, die den Naturschutz auf Borneo auf solide wissenschaftliche Füße stellen, mit dem Ziel, Industrie und Regierung zu beraten. So ist die Regierung gerade dabei, einen „Aktionsplan 2018–2027“ zum Schutz der Orang-Utans zu erstellen.

          Es regnet weniger

          Eine der Hauptursachen für den Rückgang der Menschenaffen ist wenig überraschend die Umwandlung von Regenwald in landwirtschaftliche Fläche, etwa zum Anbau von Ölpalmen. „Aber Palmöl allein ist es nicht“, sagt Meijaard. „Auf das Konto von Palmöl gehen 20 Prozent der Abholzung im Zeitraum 1973 bis 2017.“ Regenwald wird auch für Gummi- und Kakaoplantagen, die Herstellung von Zellstoff und Papier und zum Bau von Minen geschlagen. In 30 Jahren wurden so 16,8 Millionen Hektar abgeholzt, eine Fläche fast halb so groß wie Deutschland.

          Hinzu kommen Brände, die in den vergangenen Jahren große Flächen Regenwald vernichtet haben. „Tropischer Regenwald brennt normalerweise nicht“, sagt Maria Voigt vom iDiv und Hauptautorin der Studie, allerdings macht sich der Klimawandel auch auf Borneo bemerkbar: Es regnet weniger. Hinzu kommt, dass Torfregenwälder zur Flächengewinnung entwässert werden. „Einmal trockengelegt, sind sie hochbrennbar und das Feuer ist kaum zu löschen, weil es unterirdisch schwelt. Die Rauchentwicklung und der Kohlendioxidausstoß sind dann enorm“, erklärt Voigt.

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