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Artensterben : Wer seid ihr – und wie lange noch?

  • -Aktualisiert am

Dieser Tiger wurde in Nepal von einer automatischen Wildtierkamera fotografiert. Dort leben derzeit 235 Tiere, wie eine aktuelle Zählung ergab. Bild: dpa

Das Artensterben spitzt sich zu, die Lage ist wie beim Klima: es wird viel geredet, es passiert nur nichts. Was fehlt, sind neue Konzepte. Biologen könnten hier eine Schlüsselrolle einnehmen.

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          Während Sie diesen Artikel hier lesen, stirbt eine Art auf diesem Planeten aus. Falls Sie nun denken: Gut, dann lese ich eben nicht weiter, lassen Sie sich hiermit gesagt sein, dass das diese aussterbende Art auch nicht retten könnte. Ihr ist schlicht nicht mehr zu helfen, denn sie ist de facto jetzt schon weg. Und das Schlimmste daran: Höchstwahrscheinlich haben wir diese Art noch gar nicht gekannt und werden dementsprechend niemals wissen, wozu sie nütze war. Oder besser: hätte sein können. Den Krebs besiegen, Tropenkrankheiten oder deren Überträger in Zaum halten?

          Tatsächlich wissen wir gar nicht sicher, ob wirklich gerade jemand ausstirbt – wir haben keine Ahnung. Alles, was wir haben, sind Schätzwerte, Hochrechnungen, die von respektablen Wissenschaftlern erarbeitet wurden. Denen zufolge dürften jeden Tag rund hundert Spezies verschwinden, was dann einer Art alle 14,4 Minuten entspräche. Was wir Biologen allerdings mittlerweile sehr gut verstanden haben ist, dass die biologische Vielfalt auf dem Planeten Erde eine essentielle Rolle spielt. Sie ist nicht nur schmückendes Beiwerk für Vorgärten und Naherholungsgebiete, sondern unverzichtbar – auch und gerade als Lebensgrundlage für uns Menschen. Das Leben in all seiner Vielfalt, die Lebensräume wie die Arten zu erhalten ist also nicht nur ein frommer Wunsch von Naturliebhabern, sondern absolut verpflichtend im Sinne unserer Selbsterhaltung!

          „Man kann nur schützen, was man kennt“

          „Man kann nur schützen, was man kennt“, hat Heinz Sielmann einst gesagt. Und hier liegt unser größtes Problem: Wir kennen die Biodiversität nur ansatzweise. Von den Interaktionen zwischen den Lebewesen und dem Funktionieren der Ökosysteme ganz zu schweigen. Es fängt schon bei der fundamentalen Ebene an: den Arten. Gelehrte Schätzungen gehen davon aus, dass wir mit den gut 1,7 Millionen bekannten Arten von Organismen vielleicht zehn, allerhöchstens aber zwanzig Prozent der Spezies kennen, mit denen wir uns momentan die Erde teilen. Wenn wir aber untersuchen wollen, welche Wirkung unser menschliches Handeln auf die Natur hat, dann müssen wir zunächst wissen, was einmal da war und insbesondere was noch vorhanden ist. Auf dieser Grundlage können wir dann erkennen, welche Tierarten in Zukunft gefährdet sein werden und was in den entsprechenden Ökosystemen passiert, wenn diese ausstürben. Bevor andere Wissenschaftler aber solche komplexe Fragestellungen angehen können, sind die Taxonomen an der Reihe. Sie sind es, die die Organismenarten voneinander unterscheiden, formal beschreiben und wissenschaftlich benennen.

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