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Artenschutz contra Coronakrise : Wilderer wittern ihre Chance

  • -Aktualisiert am

Orang-Utan-Waisen im International Animal Rescue Centre in Ketapang auf Borneo. Bild: Polaris/laif

Die Corona-Pandemie legt offen, wie sehr der Artenschutz vom Ökotourismus abhängt und wie gefährlich das ist. Seltene Tiere fallen ungeschützt illegalen Jägern zum Opfer.

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          Vor wenigen Wochen fand im Nordwesten Südafrikas eine ungewöhnliche Jagd statt. Neun Tage lang machten Mitarbeiter der Nationalparkbehörde mit Hilfe von Artenschützern alle Nashörner dreier Schutzgebiete ausfindig, mehrere Dutzend Tiere, sedierten sie und sägten ihnen die Hörner ab. Die drastische und in diesem Umfang einmalige Aktion soll die Tiere vor Wilderern schützen. „Es war eine historische Artenschutzmaßnahme“, sagt Lynne MacTavish, Geschäftsführerin des Mankwe-Wildlife-Reservats. „Das Enthornen ist umstritten, aber es hat sich als die einzige Methode erwiesen, die einen bedeutenden Unterschied macht.“

          In den vergangenen zehn Jahren war vor allem Südafrika Schauplatz einer gnadenlosen und äußerst effizient organisierten illegalen Jagd auf Nashörner: Mehr als achttausend Tiere verloren ihr Leben. Wilderer schneiden ihnen das Horn so tief aus dem Fleisch, dass sie in aller Regel verbluten. Nashornpulver gilt in Vietnam und China als Heilmittel, und ein Kilogramm Horn ist rund 55.000 Euro wert.

          Zuletzt war die Nashornwilderei im südlichen Afrika etwas rückläufig, doch nun sorgen sich Artenschützer, dass sie aufgrund der Pandemiefolgen wiederaufflammen könnte. Kurz nach dem Lockdown in Südafrika Ende März wurden mindestens neun Tiere getötet. Auch im Nachbarland Botswana wurden kurz nach der Grenzschließung mindestens sechs Spitzmaulnashörner gewildert. Mit nur noch rund 5500 Individuen ist die Art vom Aussterben bedroht, weswegen einige Tiere aus dem Okavango-Delta an einen sicheren, geheimen Ort in Botswana gebracht wurden.

          90 Prozent weniger Ökotouristen

          Solche Schutzmaßnahmen sowie Enthornungen oder Dauerbeobachtung durch Rhino-Ranger, die die Tiere auf Schritt und Tritt begleiten, und Anti-Wilderer-Patrouillen, die allen Wildtieren zugutekommen, kosten Geld. Ein Großteil davon stammt aus dem Ökotourismus. Der allerdings wegen der rigorosen internationalen Reisebeschränkungen Ende März auf dem gesamten Kontinent unvermittelt zum Erliegen kam.

          „90 Prozent unserer Gäste kommen aus dem Ausland. Die letzten drei Monate haben wir mit Spenden überlebt, aber ich bin nicht sicher, wie lange wir uns darauf verlassen können“, sagt MacTavish. Laut dem World Travel and Tourism Council generiert die Reiseindustrie in Afrika Einnahmen von rund 63 Milliarden Euro. In Südafrika, das ausländische Touristen womöglich erst wieder im Februar 2021 einreisen lassen wird, stammten im Jahr 2018 gut 84 Prozent der Mittel für „SanParks“ – die südafrikanische Nationalparkbehörde – aus tourismusbezogenen Quellen wie Parkeintrittsgebühren und Pirschfahrten. „Die überwiegende Mehrheit der Parks und Reservate in Afrika finanziert sich fast ausschließlich durch den Tourismus“, sagt Tim Davenport, der bei der Wildlife Conservation Society die Artenschutzprogramme für Afrika leitet. „Ohne die Einnahmen mussten die Betriebsbudgets gekürzt und Strafverfolgungsmaßnahmen reduziert werden.“

          In den Safarinationen fehlen die Touristen aber nicht nur ihres Geldes wegen: „Die Tiere werden nicht nur von Wildtierhütern geschützt, sondern auch durch die Anwesenheit von Touristen. Fehlen sie, reduziert sich das Risiko für Wilderer“, sagt Davenport. Orte wie das Okavango-Delta oder der Krüger-Nationalpark warten mit den „Big 5“ auf – Löwen, Leoparden, Nashörner, Elefanten und Büffel –, und sie wimmeln normalerweise vor Touristen.

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