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Artenschutz contra Coronakrise : Wilderer wittern ihre Chance

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Ein zusätzliches Problem haben die Schutzgebiete in Zentralafrika, die die letzten Schimpansen- und Gorilla-Populationen beheimaten. Menschenaffen ähneln Menschen genetisch sehr, was die Tiere entsprechend anfällig macht für Infektionen mit menschlichen Krankheitserregern. „Studien haben gezeigt, dass Menschen und Menschenaffen ähnliche ACE2-Rezeptoren haben, an die Sars-CoV2 bindet“, erklärt Gladys Kalema-Zikusoka aus Entebbe in Uganda. Im Jahr 2003 gründete die Tierärztin die gemeinnützige Organisation Conservation Through Public Health (CTPH) mit dem Ziel, die biologische Vielfalt zu erhalten, indem sie die Lebensgrundlage der Menschen in und um den Bwindi Impenetrable National Park verbessert, den Lebensraum von 459 Berggorillas.

Zwei Spitzmaulnashörner im Nationalpark KwaZulu-Natal Bilderstrecke
Bedrohte Wildtiere : Corona contra Artenschutz

Am 5. Juni eröffnete die ugandische Wildtierbehörde zwar die Parks in den Savannen wieder – der Primatentourismus bleibt aber bis auf weiteres ausgesetzt, um die kleinen und damit sehr anfälligen Menschenaffen-Populationen vor einer Infektion mit dem Coronavirus zu schützen. Doch dieses Vorgehen birgt ebenfalls Gefahren. Wildhüter besuchen die Berggorillas zwar täglich und patrouillieren in den Schutzgebieten. Dennoch wurde am 1. Juni der Leitgorilla der Nkuringo-Gorillagruppe, Rafiki, tot aufgefunden: Wilderer, die Fallen ausgelegt hatten, um Buschschweine und Ducker zu fangen, erstachen den Silberrücken.

„Die Gemeinden rund um die Schutzgebiete in Uganda gehören zu den Ärmsten. Seit der Einstellung des Tourismus sind viele Menschen arbeitslos, und Armut und Hunger treiben sie zur Wilderei, wodurch Berggorillas und Schimpansen einem hohen Verletzungs- und Infektionsrisiko ausgesetzt sind“, erläutert Kalema-Zikusoka. Momentan verteile man Pakete mit Nutzpflanzen wie Kartoffeln, Mais, Kohl und Bohnen. Grundsätzlich versucht die Organisation Gemeindemitglieder auch für das eigene Unternehmen „Gorilla Conservation Coffee“ zu gewinnen, um sie unabhängiger vom Tourismus zu machen: „Wir kaufen den Bauern ihren Kaffee zu einem über dem Marktpreis liegenden Preis ab. Und pro Kilo verkauften Kaffees fließen 1,30 Euro wieder in die Naturschutz- und Gesundheitsprojekte von CTPH“, erklärt Kalema-Zikusoka. Die Frage, wie lange die Menschenaffen ohne Einnahmen aus dem Tourismus effektiv geschützt werden können, lässt die Tierärztin offen.

Harter Lockdown in Ecuador

Der Zusammenbruch des Ökotourismus trifft nicht nur Afrika. Die Fundación Jocotoco, eine 1998 gegründete Stiftung, kauft Regenwald in Ecuador, um die einzigartige Biodiversität des Landes zu schützen. Ecuador, rund zwanzig Prozent kleiner als Deutschland, gilt aufgrund seiner Topographie – im Westen die Galápagos-Inseln, im Osten die Anden mit dem 6263 Meter hohen Chimborazo – als das artenreichste Land des Planeten. So kommen dort etwa 1600 Vogelarten vor, Deutschland hat, zum Vergleich, rund 300. „Etwa 25 Prozent unserer Einnahmen stammen aus dem Ökotourismus. Da die Saison bis Februar gut lief, haben wir noch Rücklagen, aber für das nächste Jahr sieht es düster aus“, sagt der Biologe und Geschäftsführer Martin Schaefer.

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