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Armut als Risiko : Monatliches Taschengeld hilft psychisch Kranken

  • -Aktualisiert am

Die Probanden erhielten monatlich 53 Euro „Taschengeld“. Bild: dpa

Psychische Störungen und Armut betreffen Menschen oft gleichzeitig. Schwedische Forscher zeigen jetzt, dass psychisch kranke Probanden weniger Symptome zeigen, wenn man ihnen monatlich einen kleinen Geldbetrag zusätzlich überlässt.

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          Was wäre, wenn Menschen mit psychischen Störungen nicht aufgrund ihrer Krankheit sozial isoliert wären, sondern aufgrund ihrer finanziellen Nöte, die oft mit psychischer Krankheit einhergehen? Was, wenn ihre Ängste und depressiven Verstimmungen maßgeblich befeuert werden von ihren Geldsorgen? Die Fragen werden nicht erst seit den preisgekrönten Arbeiten des Amerikaners Greg Duncan diskutiert, der für eine seiner Studien Müttern, die in wirtschaftlich schlechten Verhältnissen leben, 4000 Dollar im Jahr schenkt. Ziel der Untersuchung ist es, zu überprüfen, ob die Hirnentwicklung der Kinder besser verläuft, wenn der ökonomische Druck auf die Familie nachlässt.

          Ein anderes Beispiel ist eine vor zwei Jahren erschienene Studie in der Zeitschrift „Science“, für die Harvard-Forscher Probanden über eine hohe Rechnung nachdenken ließen und ihnen dann Intelligenztests vorlegten. Diejenigen, die arm oder verschuldet waren, schnitten deutlich schlechter ab, ihre kognitiven Fähigkeiten waren absorbiert von den materiellen Bedrohungen, die sie zuvor gedanklich plagten. Spätestens seit diesen Arbeiten ist klar, dass Armut nicht spurlos an der Psyche des Menschen vorbeigeht.

          Geld heilt

          Dass daraus der Umkehrschluss gezogen werden kann und ein finanzielles Sponsoring sogar heilsame Kräfte entfaltet, zeigten jetzt schwedische Wissenschaftler gemeinsam mit Yale-Forscher Larry Davidson im „Community Mental Health Journal“. Hundert aus armen Bevölkerungsgruppen stammende Probanden mit schweren Störungen - etwa Schizophrenie, Persönlichkeitsstörungen oder Angststörungen - erhielten ein Dreivierteljahr lang monatlich 500 schwedische Kronen (umgerechnet 53 Euro); eine Kontrollgruppe von fünfzig psychisch Kranken wurde nur wie üblich von Therapeuten und Sozialarbeitern betreut. Die Teilnehmer, die Geld erhielten, waren bei den Untersuchungsterminen während der Studie und nach Studienende signifikant weniger depressiv und ängstlich, sie hatten neue soziale Kontakte geknüpft und Selbstvertrauen gewonnen. Damit unterschieden sie sich deutlich von den Kontrollprobanden.

          Was also tun nun mit diesem Ergebnis? Für die Autoren stellt sich zunächst die übliche Frage: Ist Armut die Ursache oder die Folge psychischer Krankheit? Diese Überlegung ist viel diskutiert, eine endgültige Antwort wird auch in der aktuellen Studie nicht gefunden. Eine andere Frage ist für Davidson dagegen schon beantwortet: Darf man finanzielle Interventionen als „Therapie“ ansehen, eine Krankheit als maßgeblich von den wirtschaftlichen Verhältnissen des Betroffenen bestimmt? Die Wissenschaftler antworten mit einem klaren Ja. Und sie gehen noch einen Schritt weiter. Symptome wie Angst oder Depressivität seien möglicherweise in vielen Fällen gar keine Symptome der diagnostizierten Erkrankung, sondern schlicht Reaktionen auf die wirtschaftlich schwierigen Lebensumstände.

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