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Ameisen : Kreaturen wie im Fantasyfilm

  • -Aktualisiert am

Die Röntgen-Mikrotomographie erlaubt eine genauere Untersuchung der Ameisen. Bild: Sarnat et al. (2016)

Waffe gegen Fressfeinde und Werkzeug zur Nahrungszubereitung: Diese Ameisengattung hat sich ein spektakuläres Outfit zugelegt, das ihr in vielen Situationen nutzt.

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          Ameisen beeindrucken durch ihre ökologische Relevanz und ihre wohlorganisierte Teamarbeit bei Brutpflege, Nahrungssuche, Verteidigung und Wohnungsbau. Das äußere Erscheinungsbild dieser emsigen Insekten ist freilich nicht sonderlich bemerkenswert; unterschiedliche Ameisenarten kommen recht gleichförmig daher. Aus dem Rahmen fallen allerdings einige Vertreter der mehr als tausend Arten zählenden Gattung Pheidole: Auf ihrem Rücken tragen sie spitze Dornen, die mitunter sogar geweihartig verzweigt sind.

          Besonders extravagant ausgeprägt ist solcher Zierrat bei der Artengruppe Pheidole cervicornis, heimisch im Berg- und Hügelland von Neuguinea. Eli Sarnat und Georg Fischer vom Okinawa Institut für Forschung und Technologie in Onna-son studierten diese exotischen Ameisen gemeinsam mit Evan Economo von der University of Michigan in Ann Arbor. Wie sie in der Online-Zeitschrift „Plos One“ (doi: 10.1371/journal.pone.0156709) berichten, nahmen sie ihre Forschungsobjekte nicht nur mit dem Stereomikroskop unter die Lupe, sie setzten auch Röntgen-Mikrotomographie ein.

          Die Dornen auf dem Rücken der Pheidole sind mitunter geweihartig verzweigt.

          Anhand von äußeren Merkmalen ließen sich vier Ameisenarten unterscheiden, zwei davon waren bislang unbekannt. Mit Mikrotomographie scheibchenweise begutachtet, zeigten einige der Insekten, dass ihre Nackenmuskulatur weit in die nächstgelegenen Dornen hineingewachsen ist. Vermutlich sitzen derart aufgefächerte Muskeln an einem längeren Hebelarm, wodurch sie einen schweren Kopf leichter tragen können: In die Dornen am Nacken dringen die Muskelfasern bezeichnenderweise nur bei solchen Ameisen vor, deren Kopf grotesk überdimensioniert ist. Die riesigen Schädel beherbergen aber kein entsprechend großes Gehirn. Stattdessen sind sie vollgepackt mit Muskeln für kräftig zupackende Kiefer.

          Typischerweise sind derart ausgestattete Arbeiterinnen nicht nur für die Verteidigung zuständig. Indem sie harte Samenkörner zerkleinern, mit denen ihre kleineren Kolleginnen überfordert wären, helfen sie auch bei der Zubereitung der Nahrung. Kleine Arbeiterinnen sind ebenfalls mit spitzen Dornen gespickt, die sich primär wohl gegen Fressfeinde richten. Nicht nur auf Neuguinea haben sich Ameisen der Gattung Pheidole eine solche Ausrüstung zugelegt. Anderenorts entwickelten sie ein ähnliches, weniger spektakuläres Outfit, und zwar, wie der Stammbaum zeigt, mehrmals unabhängig voneinander. Nach Einschätzung der Forscher empfehlen sich die skurrilen Ameisen damit als vielversprechende Studienobjekte für Evolutionsbiologen.

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