https://www.faz.net/-gwz-sgt7

Lamarrs Patent : Frequenzspreizung und Lizenzfaschismus

  • -Aktualisiert am

Bild:

Hedy Lamarrs Patent war nicht das erste und nicht das letzte seiner Art. Heute findet das Prinzip breite Anwendung in der Telekommunikation. Zum Beispiel bei der Bluetooth-Technik.

          4 Min.

          Hedy Lamarr und George Antheil seien mit dem Patent von 1942 ihrer Zeit weit voraus gewesen, heißt es häufig. Und sie hätten ein wichtiges Prinzip der modernen Kommunikationstechnik vorweggenommen. Beides stimmt - aber nur zum Teil.

          Tatsächlich liest sich die Beschreibung der heutigen Datenfunktechnik Bluetooth, als leite sie sich ohne jeden Umweg aus dem Lamarr- Patent ab. Bluetooth verbindet zum Beispiel Laptops mit Drucker oder Handys mit Freisprechanlagen. Im Juli 1999 wurde die Technik weltweit standardisiert und ist nach einer etwas zähen Markteinführung zur Selbstverständlichkeit geworden.

          Bluetooth-Sender funken auf 79 Frequenzkanälen zwischen 2,402 und 2,480 Gigahertz, jeder davon ist ein Megahertz breit. Pro Sekunde springt das Signal dabei 1600 Mal von einem Kanal zu einem anderen - natürlich von einem Chip gesteuert, und nicht, wie im Lamarr-Patent vorgesehen, von einem Papierband. Das Bluetooth-Verfahren dient auch weniger dazu, anderen das Mithören zu erschweren, sondern soll die Übertragung robust gegen Störstrahlungen machen.

          Dutzend verschiedene Methoden

          Davon gibt es gerade in diesem Frequenzbereich eine Menge, denn dort senden unter anderem Garagentor-Steuerungen, schnurlose Telefone und Computer im W-Lan-Standard. Besonders unwillkommen ist das elektromagnetische Gebrüll der Mikrowellenherde. Doch wenn Bluetooth-Daten auf einem dieser Kanäle untergehen, kann die Technik sie auf einem anderen in Windeseile wiederholen. Spreizband-Technik (englisch „Spread spectrum“) heißt dieses 1941 von Lamarr und Antheil beschriebene Prinzip heute. Bluetooth-Sender nutzen es über mehrere Funkkanäle hinweg, man spricht dann von Frequenzsprung-Spreizbandtechnik (englisch „Frequency Hopping Spread Spectrum“, FHSS).

          Andere Standards zur drahtlosen Kommunikation setzen heute auf andere Methoden der Spreizung. Davon gibt es Dutzende. Das erwähnte W-Lan beispielsweise funktioniert nach einem Standard namens 802.11b, der ein Prinzip nutzt, das schon 1935 Gegenstand einer Patentanmeldung war. Sie stammt von den beiden Telefunken- Ingenieuren Paul Kotowski und Kurt Dannehl; ihre Firma erlangte noch 1939 und 1940 amerikanische Patente dafür (US2158662, US2211132). Die heutigen Realisierungen ihrer Methode faßt man unter dem Begriff Direktsequenz- Spreizbandtechnik (englisch „Direct Sequence Spread Spectrum“, DSSS) zusammen.

          Sie sind von der Grundidee Kotowskis und Dannehls allerdings ähnlich weit entfernt wie die modernen FHSS-Techniken von Hedy Lamarr. DSSS nutzt komplizierte, für Nicht-Elektroniker nur schwer durchschaubare Verfahren und wesentlich breitere Frequenzbänder. Der Sender speist das eigentliche Signal in das allgemeine Funkrauschen ein, indem er es mit einer sogenannten „Chipping Sequence“ verknüpft, einer wie zufällig wirkenden Folge von Zahlen. Da der Empfänger über dieselbe Zahlenfolge verfügt, kann er das Signal wieder herausfischen.

          Leistung dank Mathematik

          Je länger die Folge, desto breiter muß das belegte Frequenzband sein. Für zivile Anwendungen wie W-Lan genügen 11 Bit Länge, Militärs bevorzugen drastisch höhere Werte. Verglichen mit FHSS ist DSSS unempfindlicher gegen Störungen. Fehlerhaft übermittelte Daten können weitgehend ohne neuerliche Übertragung repariert werden. Das Verfahren nutzt die verfügbare Bandbreite zudem besser aus und ist schwerer abzuhören. Ein Spion hätte schon Schwierigkeiten, die Signale überhaupt zu identifizieren, liegen sie doch meist unterhalb der Rauschgrenze.

          Dem legitimen Empfänger gelingt es nur, weil er eben passend zum Sender eingerichtet wurde. Inzwischen ist die Technik auch über FHSS und DSSS hinaus. Der verbesserte W-Lan-Standard 802.11a etwa sendet bereits auf einem anderen Frequenzband (ab 5 Gigahertz) und nutzt wieder eine andere Übertragungsmethode, die nicht mehr zu den Bandspreizungen zählt. Varianten davon bestimmen auch die Standards für digitales terrestrisches Fernsehen (DVB-T) und digitales Radio (DAB).

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Am 17. Juli in Erftstadt: Armin Laschet ist lachend zu sehen, während Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ein Pressestatement gibt.

          Laschet und die Flut : Das Lachen des Landesvaters

          Als das Wasser kam, wollte der Kanzlerkandidat der Union helfen, zuhören – und vielleicht auch Wahlkampf treiben. Dann wuchs der Druck und alles kam anders.
          Liebe Bürger*innen: Das Wahlprogramm der Grünen benutzt konsequent Genderformen mit Genderstern.

          Gendern im Wahlprogramm : Zwangsbeglückung der Sprachgemeinschaft

          Aus den Bürgern werden die Bürger*innen: Das Wahlprogramm der Grünen benutzt konsequent Genderformen mit Genderstern – dabei lehnt die Mehrheit der Deutschen das „Gendern“ ab. Ein Gastbeitrag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.