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Ein wenige Wochen alter menschlicher Embryo, stark vergrößert, der schon viele Organe angelegt und sich normalerweise in die Gebärmutter eingenistet hat. Bild: Getty

Künstliche Embryonen erzeugt : Wer braucht schon Ei, Samen, Uterus?

Ein Embryo entsteht quasi aus dem Nichts – oder ein Homunkulus? Mit Kunstembryonen sollen Organfabriken entstehen. Stammzellforscher in Israel und den USA haben die Embryozüchtung spektakulär vorangetrieben.

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          Alles ist winzig, aber alles ist da – fast alles: Ein schlagendes Herz ist zu sehen, Dottersack und embryonale Harnblase, das spätere Plazentagewebe, im Ansatz auch schon Vorder- und Mittelhirn, ebenso Neuralfalte und Neuralrohr, aus dem später das Rückenmark entsteht. Auch die Gliederung des Körpers ist erkennbar, und – von außen unsichtbar, aber nachzuweisen – primordiale Keimzellen. Urkeimzellen also, die jeder Embryo in sich trägt und nichts weniger sind als der Anfang von allem, von jedem Nach-mir.

          Joachim Müller-Jung
          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Was wir sehen, ist jedoch kein Embryo. Es ist ein „SWEM“, die Kurzform für „synthetisches Ganz-Embryoid“, auch „ETiX-Embryo“, was noch schwerer zu übersetzen ist. Jacob Hanna nutzt die Bezeichnung „s-Embryo“ – „s“ steht für synthetisch. Künstlich. Eine reine Laborschöpfung also, ein Homunculus. Hanna ist ein Stammzellforscher vom Weizmann-Institut in Rehovot, einer der bedeutendsten Forschungsstätten der Welt, wenn es um Gen- und Biotechnik geht. Vor allem wenn es darum geht, das menschliche Leben mit allen verfügbaren Mitteln der Labormedizin zu erhalten, zu optimieren und seine Vermehrung zu ermöglichen. Vor Kurzem hat Hanna zusammen mit einem anderen israelischen Lebenswissenschaftler, dem Molekulargenetiker Omri Amirav-Drory, ein Unternehmen für die spätere Kommerzialisierung seiner s-Embryos gegründet, „Renewal Bio“ lautet der Firmenname.

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