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Risiko Eierstockkrebs : „Die Zahlen finde ich besorgniserregend“

  • -Aktualisiert am

Aus Sorge vor Krebs die Eierstöcke entfernen lassen? Ärzte warnen. Bild: ORF/Screenshot F.A.Z.

Viele Frauen lassen sich unnötigerweise ihre Eierstöcke entfernen, weil sie Angst vor Krebs haben. Dabei stützen sie sich auf umstrittene Gentests und Ultraschall. Ärzte warnen vor den Folgen des Eingriffs.

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          Nachdem sich die Schauspielerin Angelina Jolie vor einigen Jahren wegen einer angeborenen, ungünstigen Variante im BRCA1-Gen beide Brüste, Eileiter und Eierstöcke hatte entfernen lassen, um keinen Krebs zu bekommen, stieg die Nachfrage nach Gentests sprunghaft an. Doch am Nutzen solcher Tests für Eierstockkrebs lässt nun eine Studie zweifeln, die gerade auf dem virtuellen amerikanischen Krebskongress „Asco“ vorgestellt wurde. Forscher aus Philadelphia hatten Daten eines Registers mit 7388 Teilnehmern analysiert, das seit 2014 Befunde von Gentests registriert. Jede zehnte Frau ließ sich demnach vorbeugend die Eierstöcke und Eileiter entfernen, obwohl es dafür eigentlich keinen unmittelbaren Anlass gegeben hätte. Eierstockkrebs kann spontan auftreten, oder er wird vererbt. Jeder vierte erbliche Eierstockkrebs wird durch Mutationen im BRCA1- oder BRCA2-Gen verursacht. Inzwischen haben Forscher noch Dutzende weitere Risikogene identifiziert. Mehr als jede zweite Frau mit BRCA1-Mutation und jede fünfte mit BRCA2-Mutation erkrankt bis zu ihrem 69. Lebensjahr an Eierstockkrebs. Daneben gibt es aber auch Mutationen, die das Risiko nur unwesentlich erhöhen, sowie Genvarianten, für die nicht klar ist, was sie für das Krebsrisiko bedeuten. Der in Deutschland gängige Test sucht nach Veränderungen in 34 Genen. Das Deutsche Konsortium für familiären Brust- und Eierstockkrebs stellte klare Kriterien auf, wann ein Test empfohlen wird. Zum Beispiel dann, wenn aus der Familie der Mutter oder des Vaters mindestens drei Frauen an Brustkrebs oder mindestens drei Frauen an Eierstockkrebs erkrankt sind. Oder wenn sich bei mindestens einer Frau Brustkrebs im Alter von unter 35 Jahren entwickelte oder eine Frau gleichzeitig unter Brust- und Eierstockkrebs litt.

          Die Hälfte mit unklarem Risiko

          Die Forscher aus Philadelphia interessierten besonders die 467 Frauen, die ihre Eierstöcke und Eileiter hatten entfernen lassen, obwohl ihr Risiko gemäß Gentest unter fünf Prozent lag, und denen eigentlich eine Operation nicht empfohlen wird. Die meisten hatten keine engeren Verwandten mit Eierstockkrebs, was ein Hinweis auf ein erblich bedingtes erhöhtes Risiko gewesen wäre und die Operation womöglich gerechtfertigt hätte. Jede zweite Frau hatte Genvarianten mit unklarem Krebsrisiko. Jede fünfte Frau hatte keine solche Variante, aber schon mal Brustkrebs gehabt und sich offenbar deshalb operieren lassen. In jedem vierten Fall einer vorbeugenden Operation hatte die Frau weder Brustkrebs noch Genvarianten.

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