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Kontaktinfektion bei Corona : Finger weg!

Selbst wer sich auf göttlichen Beistand verlassen kann, sollte derzeit Hand-Gesicht-Kontakte möglichst vermeiden. Bild: dpa

Die Verbreitung des Coronavirus stellt uns auf eine harte Probe: Nie hätte man gedacht, wie schwierig es ist, sich nicht mit der Hand ins Gesicht zu fassen.

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          Es ist gruselig, was wir in den vergangenen Tagen an uns beobachten konnten, sofern wir uns auch nur ein wenig auf die aktuelle Corona-Berichterstattung eingelassen haben. Und damit ist gar nicht mal unser Unwohlsein angesichts steigender Krankenzahlen oder die verbreitete Bereitschaft zu Hamsterkäufen gemeint. Nein, wirklich und tiefgreifend verstörend ist vielmehr die Erfahrung, wie wenig wir uns selbst unter Kontrolle haben, oder ganz konkret: Wie oft wir uns mit den Händen ins Gesicht fassen, obwohl wir nun mittlerweile alle wissen, dass wir das aktuell unter keinen Umständen tun sollten, sofern wir das Ansteckungsrisiko minimieren wollen. Aber dann juckt es doch an der Nase, oder die Haare kleben am Mund, oder die trockenen Augen verlangen nach beherztem Reiben.

          Wie schlimm unsere menschliche Hand-Gesicht-Affinität wirklich ist, wurde schon empirisch erforscht. 2008 beispielsweise beobachteten Mediziner der University of California zehn Menschen jeweils drei Stunden lang bei Büroarbeiten und zeichneten auf, wie oft sie Mund, Augen oder ihre Nasenöffnungen berührten. Rund sechzehn Mal pro Stunde war dies der Fall, wobei die Hände oft gleich mehrere Gesichtsbereiche befingerten. Eine australische Studie zeigte 2015, dass auch Medizinstudenten nicht besser sind, selbst wenn sie vorher eine Lehrveranstaltung zur Infektionskontrolle besucht haben: Die 26 beobachteten Studenten hatten im Durchschnitt 23 Mal pro Stunde ihre Hände im Gesicht, allerdings nur in 44 Prozent der Fälle auch wirklich in der Nähe der Schleimhäute.

          Problematisch ist das natürlich deshalb, weil wir auch vor anderen Oberflächen in unserer Umgebung nicht Halt machen und dadurch Kontaktinfektionen Tor und Tür öffnen. Die Studie von 2008 geht davon aus, dass wir – in Abhängigkeit von unserer jeweiligen Aktivität – durchschnittlich eine Oberfläche pro Minute anfassen. Ein durchaus konservativer Wert: Eine Studie der Uniklinik Zürich von 2017 ermittelte bei der Beobachtung ihres Klinikpersonals eine Rate von je einer Oberflächenberührung alle 4,2 Sekunden. Auf Händewaschen allein – empfohlene Dauer: 20 bis 30 Sekunden! – kann man sich da nicht verlassen, wenn man nicht den Tag am Waschbecken verbringen will. Bleiben also Achtsamkeit und Selbstdisziplin. Und die zu trainieren, kann ja im Grunde nicht schaden. Auch wenn es sehr, sehr schwer ist.

          Sibylle Anderl
          Redakteurin im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

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