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Fehlende Nachhaltigkeit : Unser Stromhunger

Virtuelle Daten benötigen echten Strom. Bild: Reuters

Digitalisierung löst die Klimakrise nicht, im Gegenteil: Die Datenflut treibt den Energieverbrauch nach oben. Besonders dramatisch wirkt der Bitcoin-Boom.

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          Kleinere Brötchen backen, so würde man das wohl in der analogen Welt nennen, was von den digitalen Superhelden jetzt gefordert wird: Mitten in den 5G-Rummel, wo mit großen Zahlen und großen Plänen nur so geprasst wird, wo auf jeden Quadratkilometer nicht mehr tausend, sondern bald Millionen vernetzter Datenendgeräte in Aussicht gestellt werden, in dieses Hochfest einer neuen volldigitalen Zeit platzt nun also eine Analyse, die von ihrer wissenschaftlichen Leiterin so zusammengefasst wird: „Wir müssen uns von der Faszination der volldigitalen Welt als Lösung für die Klimakrise befreien und ein gemeinsames Bewusstsein für die Umweltauswirkungen digitaler Technologien schärfen.“

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Françoise Berthoud vom CNRS, dem Nationalen Zentrum für wissenschaftliche Forschung in Frankreich, hat sich die vergangenen beiden Jahre mit einem guten Dutzend Kollegen zusammengesetzt und 170 jüngere Studien über den Energieverbrauch der in jeder Hinsicht geradezu explodierenden Datenströme ausgewertet. Ihr Bericht, „The Shift Project“, enthüllt, dass das, was bis zum Bonner Klimagipfel vor zwei Jahren und von der Internationalen Energieagentur (IEA) seit vielen Jahren hartnäckig für möglich gehalten wurde, nämlich die „Entkoppelung“ von Wachstum und Verbrauch in der Digitalindustrie, vielleicht doch nur ein schöner Traum bleibt.

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