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Klug verdrahtet : Die Geheimnisse des Genter Altars

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Die grauen Röntgenbilder rechts und links sind hier noch ein Wirrwarr aus Vorder- und Rückseite der Flügel des Genter Altars. Die KI soll helfen, sie zu trennen. Bild: Maertens/Provost/KIK-IRPA

Alte Gemälde wie der Genter Altar bergen noch immer viele Rätsel. Eine neue KI, die Röntgenbilder analysiert, könnte bald helfen sie zu lüften.

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          Wenn der Genter Altar in der Kathedrale Sankt Bavo seine Flügel öffnet, zeigt er dem Betrachter zwar sein prachtvolles Innenleben; viele seiner Geheimnisse bleiben aber bis heute ungelüftet. Beispielsweise ist immer noch nicht geklärt, ob Jan van Eyck das Gemälde allein oder zusammen mit seinem Bruder Hubert schuf.

          Eine wichtige Rolle bei der Entschlüsselung solcher Rätsel spielen Röntgenbilder, die verwendete Materialien, die Struktur der Pinselstriche und innere Schichten der Gemälde offenlegen. Das Problem: Die dreidimensionale Struktur der Farbschichten wird dabei als zweidimensionales Bild gezeigt. Sind, wie bei den Flügeln des Genter Polyptychons, zudem beide Seiten der Leinwand bemalt, entsteht ein äußerst komplexes Röntgenbild.

          Um dieses Wirrwarr zu ergründen, entwickelten Wissenschaftler des University College London nun eine Künstliche Intelligenz (KI), die überlagerte Röntgenbilder voneinander zu trennen lernte. Hierzu fütterten sie ein „Convolutional Neural Network“ mit hochaufgelösten Fotografien der zwei Seiten des Flügelaltars und dem entsprechenden Röntgenbild. Wie „Science Advances“ berichtet, war es Aufgabe der KI, zwei einzelne Röntgenbilder der jeweiligen Seiten zu generieren. Indem sie ihre Ergebnisse immer wieder summierte und mit dem ursprünglichen überlagerten Röntgenbild abglich, verbesserte sie sich selbständig.

          Der berühmte Genter Altar von Jan van Eyck ist in der Kathedrale Sankt Bravo zu sehen. Bilderstrecke
          Klug verdrahtet : So lernte die KI, die Bilder des Genter Altars zu entwirren

          Überraschenderweise wurde die Seite der Leinwand, deren Fotografie die KI zuerst als Input bekam, besser als die zweite. Ohne dies erklären zu können, kombinierten die Forscher kurzerhand zwei Systeme, die jeweils eine andere Flügelseite zuerst berechneten, und glichen so die Defizite geschickt aus. Die KI soll bei der Erforschung alter Gemälde helfen. Ob sie aber den Ursprüngen des Genter Altars auf die Spur kommen kann, muss sich noch zeigen.

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