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Künstliche Intelligenz : Der heiße Draht zum Doktor

Junger Mann vor dem Rechner. Bild: dpa

Begegnen wir bald auch im Krankenbetrieb jederzeit intelligenten Maschinen? Im Gesundheitssystem herrscht Unruhe. Nur die Jungen freuen sich: auf Sexberatung aus der coolen Kiste. Eine Glosse.

          Je schneller das, was der Weltdeuter James Lovelock als elektronisches Leben bezeichnet, in der Evolutionsleiter nach oben klettert, desto genauer sollten wir uns überlegen: Weiter füttern oder weiter versklaven? Der inzwischen hundertjährige Lovelock hat für sich entschieden: Künstliche Intelligenz (KI) muss, weil wir die direkten Vorfahren, sprich: die Eltern dieser Kreaturen sind, bemuttert und gefördert werden, bis sie uns in nicht allzu ferner Zeit als superkluge Verwalter unseres Planeten ablösen und Schluss machen mit den selbstzerstörerischen „Exzessen unserer Macht“ (Hans Jonas). Von uns will den Job ja offenbar keiner übernehmen.

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Zweifel gibt es allerdings immer noch, ob wir die Hyperintelligenzen am Ende auch gewähren lassen. Nehmen wir den Vorstoß der Pronova BKK, einer Krankenkasse, die wie alle anderen den Kassenwahlspruch „Einer für alle, alle für einen“ noch längst nicht auf die Maschinen ausgedehnt wissen will. Deshalb hat sie in einer Repräsentativumfrage tausend Menschen – aber keine Maschinen – befragen lassen, wie das Vordringen elektronischer Agenten in die Kliniken und Praxen so bewertet wird. Die Studie heißt ganz unsentimental „Digitales Gesundheitssystem“. Sie hält aber für Bundesminister Jens Spahn, der das Gesundheitssystem umkrempeln und aktuell die Notaufnahmen in den Kliniken von Bagatellfällen entlasten will, einige prickelnde Erkenntnisse an der Schnittstelle von Mensch und Maschine bereit.

          So wird KI nicht generell abgelehnt, als Assistent und Experte ist sie willkommen, und grundsätzlich traut man ihr zu, Leben zu retten. Doch Hackerangriffe halten drei von vier Bürgern dennoch für ein echtes Problem – die über Vierzigjährigen genauso wie die unter Dreißigjährigen. Undichte Stellen gibt es immer. Der KI wird da offenbar noch nicht viel mehr zugetraut als dem Menschen. Wegweisend ist allerdings die Frage, wann die Menschen den Computer-Avatar vorziehen würden. Von den unter Dreißigjährigen sagt heute schon jeder Zweite, dass er lieber mit der KI als mit dem Arzt über intime Angelegenheiten reden würde. Wenn das kein Vertrauensvorschuss ist. Sieht so aus, als müsste der Gesundheitstipp unseres „Was bin ich?“-Philosophen Robert Lembke dringend algorithmisch aufgearbeitet werden: „Liebe ist eine tolle Krankheit. Da müssen immer gleich zwei ins Bett.“

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