https://www.faz.net/-gwz-u776

Frage 1 : Wissen wir genug?

  • -Aktualisiert am

Wie reagiert die Menschheit auf globale Klimaänderungen? Bild: dpa

Immer wärmer wird die dünne Erdatmosphäre, die sich schützend um die Biosphäre spannt. Geht alles so weiter wie bisher, wird sich das Gesicht der Erde stark verändern.

          2 Min.

          Die nächste totale Sonnenfinsternis auf die Sekunde genau für einen bestimmten Ort im 21. Jahrhundert vorherzusagen, gelingt seit langem. Aber zu bestimmen, ob der nächste Winter in Mitteleuropa warm wird oder eher kalt, ist im Oktober 2007 schon an der Grenze des Machbaren. Warum ist es dann gelungen, bei vorgegebenem Verhalten der Menschheit die Klimaänderungen auf der Erde bis mindestens 2100 vorherzusagen?

          Erstens, weil uns physikalische Grundgesetze aus Thermodynamik, Dynamik, Elektrodynamik und Quantenmechanik leiten. Zweitens, weil nicht Wetter an einem Ort, sondern Klima - also die Statistik des Wetters - einer großen Region die Vorhersagegröße ist. Und weil drittens das Vorhersageintervall von nur einem Jahrhundert klein ist gegenüber der Zeitspanne mit wesentlichen Änderungen der trägen Teile. Letzteres gilt sicherlich auch für das Erdsystem, die Kontinentaldrift, die Umwälzung ganzer Eisschilde an den Polen und auch noch des globalen Ozeans. Aber auch die Sonnenaktivität und die Schwankungen ihres Energieflusses zu uns sind wesentlich kleiner als die Effekte der von uns veränderten Zusammensetzung der Atmosphäre.

          Fortschritte in den letzten 20 Jahren

          Die Klimaforschung ist in den letzten zwanzig Jahren rasch vorangekommen. Anfang 1987 stellte die Deutsche Meteorologische Gesellschaft gemeinsam mit der Deutschen Physikalischen Gesellschaft die Broschüre „Warnung vor globalen Klimaänderungen durch den Menschen“ vor. Damals waren Hochrechnungen mit globalen Modellen verfügbar, die oft nur die Atmosphäre ohne einen angekoppelten strömenden Ozean beschrieben. Aussagen zum Einfluss des Menschen auf das Klima waren eher „begründete Vermutungen“. Heute konstatiert der Zwischenstaatliche Ausschuss für Klimaänderungen (IPCC) eine „sehr hohe Gewissheit“, dass der Mensch hinter den beobachteten Klimaänderungen steckt.

          Mit dem systematischen Zuwachs an Wissen sind auch neue Fragen aufgetaucht. Können wir klimatische Anomalien vorhersehen, um uns optimal an die Klimaänderungen der nächsten Jahrzehnte anzupassen? Bei welchen Temperatur- und Niederschlagsänderungen werden Wälder und Permafrostgebiete zu starken zusätzlichen Kohlendioxidquellen? Welche mittlere globale Erwärmung setzt das Abschmelzen von großen Teilen des grönländischen Inlandeises in Gang und wie rasch kann das Abschmelzen passieren? Gibt es noch unbekannte Rückkopplungseffekte, die für Klimaüberraschungen sorgen?

          Veränderte Klimaschutzpolitik herleiten

          Die zentrale Frage lautet: Wie reagiert die Menschheit auf globale Klimaänderungen? Das heißt, welches Emissionsszenario ist das wahrscheinlichste? Die neuen Herausforderungen können nicht mit kleinen Forschungsprogrammen einzelner Länder so weit beantwortet werden, dass damit eine veränderte Klimaschutzpolitik hergeleitet werden könnte. Ein globales Multibillionenproblem braucht global koordinierte Forschung mit Multimilliardeneinsatz. Aber auch bei intensivierter Forschung wird immer vorsorgend gehandelt werden müssen, denn das volle Verständnis kann angesichts der komplexen Vorgänge auf unserer Erde auch ein verstärktes Forschen nicht bringen; wir können jedoch das Vorhersageintervall bei vorgegebener Wahrscheinlichkeit ausweiten und damit intelligenter politisch entscheiden.

          Die Politik sollte die zum Teil schon recht gut untermauerten und bewerteten Aussagen der Klimaforscher mindestens so ernst nehmen wie die Prognosen der Wirtschaftsentwicklung durch Wirtschaftswissenschaftler. Diese gehen mit einem ebenfalls komplexen Teilbereich um, haben aber die vollen Kosten der Nutzung endlicher und erneuerbarer Ressourcen in ihre Gesamtrechnung noch nicht integriert. Eine blühende Wirtschaft für unsere Kinder wird entscheidend von der global koordinierten Klimaschutzpolitik und damit der Klimaforschung abhängen.

          Die nächste Frage des FAZ.NET-Spezials zum Klimawandel „Trocknet Deutschland aus?“ finden sie in Kürze auf FAZ.NET

          Weitere Themen

          Ferner Besuch

          Interstellar : Ferner Besuch

          Die Entdeckung des zweiten interstellaren Eindringlings war eine freudige Überraschung für die Astronomie. Jetzt würde man zu gerne eine Raumsonde hinschicken.

          Topmeldungen

          Bielefelds Cedric Brunner (rechts) und Hamburgs Bakery Jatta im Zweikampf

          1:1 in Bielefeld : HSV verteidigt Tabellenführung

          Kein Sieger im Spitzenspiel: Arminias Klos trifft nur einmal und Bielefeld verpasst die Überraschung. Der HSV hingegen bleibt weiter an der Tabellenspitze – und hat das nächste Top-Duell bereits vor der Brust.
          So wird man ihn nicht mehr sehen: Dirk Nowitzki im Trikot der Dallas Mavericks, hier im April 2019

          Basketballstar in Rente : Nowitzki und die große Zukunftsfrage

          Das Ziel für die anstehende Saison der besten Basketball-Liga der Welt lautet für Dirk Nowitzki: Abstand gewinnen. Für den ehemaligen NBA-Star gibt es jetzt sogar Eis zum Frühstück. Doch was macht er dann?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.