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Buschbrände und Klimawandel : In der Hölle gibt es keine Einsicht

Der Südosten Australiens ist in Rauch gehüllt, vom Feuer weiter bedroht: Ein Mann mit Schaufel verlässt sein Grundstück. Bild: dpa

Wieder gab es Vorwarnungen, wieder gab es Wichtigeres als das Klima. Wie die australische Feuerwalze den Vertrauensbruch zwischen Politik und Wissenschaft schürt.

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          Der provozierte Vertrauensbruch zwischen bestimmten politischen Akteuren und der etablierten Wissenschaft hat inzwischen alle Merkmale eines Horrorfilms. Höllenqualen eingeschlossen. Verrat auch.

          Der australische Höllenfürst, Premier Scott Morrison, der sich auch bei fast fünfzig Grad in Sydney immer noch nicht unwohl zu fühlen scheint in seiner Haut, zündelt weiter in seiner Hauptrolle als Kohlelobbyist und bagatellisiert die katastrophalen Buschfeuer im Süden des Kontinents als „natürliche Vorgänge“. Die Feuerwehrleute sind aufgebracht, die Luft verpestet, Abermillionen Tiere – viele nirgendwo sonst auf der Welt heimisch – qualvoll verendet.

          Das letzte bisschen Rationalität und Loyalität gegenüber der Klimaforschung geht damit buchstäblich in den Flammen vor Sydney auf, wie sich an der Publikationsgeschichte der eigenen – nämlich der australischen – Geoforschung zeigen lässt. Im Jahr 2009 hatte bereits ein von der nationalen Wissenschaftsorganisation CSIRO geleitetes Konsortium eine vorläufige, wenn auch umfassende Bestandsaufnahme mit angeschlossener Prognose auf Basis der aktuellen Klimamodelle zu den Feuerrisiken im Land vorgelegt.

          Das Fazit damals lautete: „Die Klimaprojektionen zeigen, dass der größte Teil des Südens Australiens wärmer und trockener wird. Die Modelle legen den Schluss nahe, dass bis 2020 die Tage mit extremer Brandgefahr im Südosten um fünf bis 65 Prozent gegenüber heute erhöht sein dürften.“ Schwarze Prophetie, Alarmismus?

          Voll ins Schwarze getroffen, trifft es wohl besser. Die Realität heute jedenfalls, im Jahr der Abrechnung, müsste dem gewählten Politiker, der seine Macht eigentlich nur geliehen hat, um zuvörderst die Würde, Gesundheit und nicht zuletzt die Umwelt seiner Bürger zu schützen, die Schamesröte ins Gesicht treiben. Doch Morrison zieht es offensichtlich vor, sich die im Kohlebad vergoldeten Finger nicht mit seriöser wissenschaftlicher Literatur zu verbrennen.

          Gewiss, das passt zu dem Verhalten der Regierung von Canberra auf dem jüngsten Klimagipfel in Madrid, es passt auch ins Bild der antiwissenschaftlichen Schwelbrände in anderen Großnationen, doch die fortgesetzte Ignoranz ändert nichts daran, dass so auch die eigenen Wertmaßstäbe westlicher, aufgeklärter Gesellschaften auf dem Scheiterhaufen einer Erdpolitik geopfert werden.

          Joachim Müller-Jung
          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

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