https://www.faz.net/-gwz-7ts5y

+++ Klimaticker September +++ : Klimagipfel, Schneckenskandal, Treibhausspitze

Die Erholung vom „Ozonloch“ in der oberen Atmosphäre über dem Südpol erkennt man nur bei genauerem Hinsehen - durch die fehlenden Violettöne und die etwas blasseren Blautöne in der aktuellen Ozonkarte. Je dunkler die Farbe, desto weniger Ozon in der Stratosphäre. Links die Ozonkonzentrationen am 7. September 2000, rechts am 7. September 2014.
Die Erholung vom „Ozonloch“ in der oberen Atmosphäre über dem Südpol erkennt man nur bei genauerem Hinsehen - durch die fehlenden Violettöne und die etwas blasseren Blautöne in der aktuellen Ozonkarte. Je dunkler die Farbe, desto weniger Ozon in der Stratosphäre. Links die Ozonkonzentrationen am 7. September 2000, rechts am 7. September 2014. : Bild: Nasa

+++ 10. September Jedes Jahr zwei Millionen weniger Hautkrebs-Neuerkrankungen, und das noch mindestens 15 Jahre lang, das ist die Hochrechnung, die Unep-Direktor Achim Steiner bei der Vorstellung eines neuen UN-Berichts zur Entwicklung der Ozonschicht vorgelegt hat. Die durch Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) ausgelösten Verluste in der Ozonschicht, die eigentlich Mensch und Tier vor den schädlichsten UV-Strahlen der Sonne schützt, sind seit anderthalb Jahrzehnten rückläufig. Bis 2030 könnten die Ozonkonzentrationen der achtziger Jahre wieder erreicht werden. Zurückzuführen ist das dem gemeinsamen Bericht von Unep und der Weltmeteorologiebehörde  zufolge auf den völkerrechtlich verbindlichen FCKW-Produktionsstop, der mit der Verabschiedung des Montrealer Protokolls im Jahre 1987  vereinbart worden war. Steiner, der als Leiter des Umweltprogramms der Vereinten Nationen vor ein paar Monaten wieder gewählt wurde, hat zu den Ökoveteranenfeiern in Nairobi und Genf auch je eine Delegation von Kaiserpinguinen aus der Antarktis empfangen. Besonders bei der Unep in Nairobi hat man sich darüber gefreut. Dort wurden die stattlichen Abgesandten vom Südpol mit einem Freudenfeuer und Grillfest empfangen. Beim Rückflug am nächsten Morgen blieb der eine oder andere Sitz in der Pinguinen-Sondermaschine unbesetzt. +++

Die zehn größten Kohlendioxid-Emittenten
Die zehn größten Kohlendioxid-Emittenten : Bild: F.A.Z.

+++ 9.  September. Der Gehalt der Luft an Treibhausgasen hat einen neuen historischen Höchstwert erreicht. Mit mehr als 400 ppm (Anteile pro Million Luftmoleküle) Kohlendioxid wurde 2013 die Konzentration der vorindustriellen Zeit um 142 Prozent überschritten. Methan, das zweitwichtigste Treibhausgas, liegt sogar 253 Prozent über den Werten des achtzehnten Jahrhunderts, Stickstoffoxide um 121 Prozent darüber. So ist es in dem jüngsten Bericht  der Weltmeteorologiebehörde WMO  nachzulesen. Der Anstieg zwischen 2012 und 2013 war größer als in jedem Jahr davor seit 1984. Besonders prekär wird es für die Weltmeere. Die Aufnahme des Kohlendioxids ins Meerwasser führt zu einer sukzessiven Versauerung durch die Anhäufung von Kohlensäure. Kalkschalen bildende Tiere und Plankton seien von der Versauerung besonders bedroht, die Kalkbildung werde bereits massiv gestört: “Der Säuregehalt hat den höchsten Stand seit 300 Millionen Jahren erreicht“, heisst es in dem WMO-Report. Die letzten Augenzeugen aus jener Erdpoche wurden von den Atmosphärenforschern zu einem Erfahrungsaustausch aus dem Wasser gefischt. Auch Deutschland kann die Katastrophe wohl nicht mehr verhindern. Das Thünen-Institut in Braunschweig meldete zwar einen Tag vor der Bekanntgabe der WMO, dass in den deutschen Wäldern mittlerweile gut 300 Millionen Tonnen Kohlenstoff mehr als noch 1990 in Form von Holz, Totholz  und Humus abgespeichert da liegen, aber das ist für die Meeresbewohner natürlich kein Trost. Das Mindestete, was sie erwarten dürfen, ist Gleichberechtigung. Die Meeresschnecken plädieren deshalb für ein supranationales Kalkungsprogramm, das sich schon im Kampf der Forstleute gegen den sauren Regen bewährt hatte. Die Staaten müssten mit allen Mitteln gegen die Versauerung der Ozeane einschreiten. Seekrankheit ist unter Androhung einer Strafe verboten. Wer künftig dennoch seinen sauren Mageninhalt ins Meer entleert, muss mit einem empfindlichen Bußgeld rechnen. +++

Wappentier: dieses Exemplar heißt Denali und ist bereits 16 Jahre alt. Im „Six Flags Discovery Kingdom“ im kalifornischen Vallejo ist er die patriotische Hauptattraktion
Wappentier: dieses Exemplar heißt Denali und ist bereits 16 Jahre alt. Im „Six Flags Discovery Kingdom“ im kalifornischen Vallejo ist er die patriotische Hauptattraktion : Bild: Reuters

+++ 8. September. Die amerikanische National Audubon Society, einer der weltweit größten Vogelschutzverbände der Welt, rechnet mit  dramatischen Veränderungen in der nordamerikansichen Vogelfauna. 314 Vogelarten, also knapp die Hälfte der etwa 650 amerikanischen Spezies, sei durch den Klimawandel in ihrem Bestand bedroht. Bis 2050 dürfte ein Fünftel der Arten in ihren heutigen Verbreitungsgebieten um mehr als die Hälfte schrumpfen. Der Trompetenschwan, Basstölpel und Fichtenspecht könnten ganz verschwinden. Auch der amerikanische Wappenvogel, der Weisskopfseeadler, ist bedroht: Bis 2080 dürfte er drei Viertel seiner Brutgebiete verlieren, heisst es in dem „Klimabericht“. Und noch einem anderen Staatsvogel droht das Aus: Der Baltimoretrupial - Baltimore oriole - dürfte auf lange Sicht im Bundesstaat Maryland künftig keine Heimstatt mehr finden. Mit dem aus dem Italienischen stammenden Staatsmotto „fatti maschi, parole femmine„ (sinngemäß: starke Heldentaten, sanfte Parolen) lässt sich da kaum noch etwas machen. Deshalb will Maryland nach der Abschaffung der Todesstrafe im vorigen Jahr auch im Vogelschutz ein Exempel statuieren und jede Verkehrsinsel im Land mit Bäumen bepflanzen, in die jeweils ein kunstvoll geflochtenes Kugelnest mit einem Stars-and-Stripes-Banner auf der Baumkrone eingerichtet wird. +++ 

Weitere Themen

Als die Westwinde drehten

Archive des Erdklimas : Als die Westwinde drehten

In der Klimageschichte der Erde gab es immer wieder warme und kalte Phasen. Welche Folgen diese für das Erdsystem hatten, können Geowissenschaftler in den Meeressedimenten lesen.

Topmeldungen

Niedersächsischer Ministerpräsident Weil: „Wir sind – nicht nur in Deutschland – schlecht vorbereitet gewesen auf eine Pandemie. Das darf uns, und das wird uns auch nie wieder passieren.“

Stephan Weil im Interview : „Wir gehen über dünnes Eis“

Niedersachsens Ministerpräsident hält es für realistisch, das Coronavirus bis zum Spätsommer unter Kontrolle zu haben. Ein Gespräch über einen Strategiewechsel beim Impfen und mögliche Öffnungsaussichten.
Vertrauen als Währung: EY will sein Kapital nicht verspielen

EY unter Druck : Schritte aus dem Wirecard-Morast

Neue Deutschlandspitze und Theo Waigel als zusätzlichen Aufpasser: EY flieht nach vorne im Wirecard-Skandal. Doch der Schaden ist bereits angerichtet.

Gladbachs Trainer Rose : Ein Fläschchen Wein mit Pep Guardiola

Nach dem Champions-League-Duell lobt Pep Guardiola den Gladbacher Trainer Marco Rose und lädt zum Gedankenaustausch nach dem Rückspiel. Der künftige BVB-Coach hat den großen Meister beeindruckt.
Janine Wissler (Die Linke) im Oktober 2020

Die Linke und Marx21 : Wie radikal ist Janine Wissler?

Die extremistische Gruppe Marx21 hat Janine Wissler geprägt. Jetzt distanziert sich die Politikerin, die am Wochenende zur Ko-Vorsitzenden der Linkspartei gewählt werden soll, vorsichtig davon. Ist das glaubhaft?

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.