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+++ Klimaticker Juni +++ : Kohlelager, Korallenbleiche, Hitzeblitze

Umstrittene Technologie: CCS-Gegner vor dem Bundesratsgebäude Bild: dapd

Was macht eigentlich die Apokalypse? Unser Glossenticker mit ernsten Nachrichten zum Klimawandel und ihren (weniger ernsten) Pointen. Ein Update über die Zukunft des Great Barrier Reefs, den Zusammenhang von Klimawandel und Unwetter und über Brasiliens Potential als Biospritlieferant.

          7 Min.

          +++ 29. Juni. Die großtechnische Entfernung von Kohlendioxid aus dem Abgasstrom, die sogenannte CCS-Technik, dürfte allen politischen Widerständen zum Trotz nötig sein, um das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen. Das sagt das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Grundlage dafür ist eine internationale Studie, die „bislang umfassendste Untersuchung“ sogar, in der Simulationen mit 18 Computermodellen vorgenommen worden waren. Nur wenige dieser Klimamodelle sind überhaupt in die Nähe einer maximalen Erwärmung von zwei Grad gekommen, wenn sie es allein mit regenerativen Energiequellen versucht haben. Am effektivsten erwiesen sich die Abscheidung und Speicherung von Kohlendioxid mit CCS-Technik zusammen mit der Nutzung von Biosprit, beispielsweise im Verkehrssektor. Das Projekt - „Stanford Energy Modeling Forum“ - ist der Versuch, die effizientesten Methoden zu ermitteln, die globale Erwärmung nachhaltig einzudämmen. Keine einzelne der zahlreichen kohlendioxidarmen Techniken allein, ob Windkraft oder Sonnenkraft, sind für sich hinreichend für die „Transformation“. Jede Technik ist zudem durch andere ersetzbar. In Szenarien ohne CCS-Technik würden sich die Kosten für den Klimaschutz allerdings verdoppeln. Halbiert werden könnten die Kosten auch durch die konsequente Umsetzung von Energiesparmaßnahmen, wie die Forscher in der Zeitschrift „Climate Change“ schreiben. Die Akzeptanzprobleme für CCS und Bioenergie waren dagegen nicht Teil der Simulationen. Einen Ausweg hat Lego parat. Das deutsche Traditionsunternehmen hat sich bereit erklärt, einen Baukasten mit entsprechenden Miniaturen zu entwickeln und alle Schulen, Kirchen, Altersheime und Jugendtreffs im Land mit kostenlosen CCS-Lego-Baukästen auszustatten. Eine Sonderedition mit speziellen Biosprit-Zapfsäulen soll für Nachtlokale entwickelt werden. +++

          Korallensterben (2) Bild: REUTERS
          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          +++ 19. Juni. Das Great Barrier Reef vor der Ostküste Australiens, Weltnaturerbe und größte Korallenausdehnung weltweit, könnte den prognostizierten Klimawandel womöglich besser verkraften als bislang befürchtet. Größere Temperaturanstiege scheinen das extrem artenreiche Riffökosysteme  kaum zu beeinträchtigen. Vor allem in den Jahren eines El Nino, wenn die Meerestemperaturen im tropischen Pazifik abrupt ansteigen, hat die Befürchtungen eines flächendeckenden Ausbleichens der Korallenstöcke genährt. Die Forschungen, die der Meeresforscher Thomas Felis von der Universität Bremen mit zahlreichen australischen und amerikanischen Kollegen im Great Barrier Reef vorgenommen haben, sprechen dagegen. Die Wissenschaftler haben Isotopenanalysen von Isopora-Korallenskletten vorgenommen, die  deren Kalkbasis bis zu 20.000 Jahre alt ist. Der in „Nature Communications“ veröffentlichten Ergebnissen zufolge haben die Korallen nach dem Ende der Eiszeit bis vor rund 13.000 Jahren Erwämungen bis zu drei Grad mehr oder weniger unbeschadet überstanden. „Anders als heute haben sich die Korallen über einen Zeitraum von mehreren Jahrtausenden an den Temperaturanstieg anpassen können“,  heisst es. Damit beginnt endgültig ein Wettlauf mit der Zeit. Die australische Regierung hat sich vorgenommen, mit tatkräftiger Hilfe der Biotechnik aus den trägen Korallen schnelle Anpassungskünstler zu machen. Sie drehen an der inneren Uhr und züchten in Meerwassertanks Turbokorallen. +++

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