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Klimaschutz-Studie : Die Billionen nach der Viruskrise

Trockene Bäume im Nationalpark Harz Bild: dpa

Die Zahlenmenschen sind zurück. Die mit dem Blick fürs große Ganze – für die unvorstellbaren Verluste und Kosten der Corona-Krise. Dabei kommt der größte Brocken noch. Zeit für die Gefahrenabwehr, oder?

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          Wie weiter mit der Welt? Man mag es kaum glauben, aber die Frage ist tatsächlich sehr viel älter als das neue Coronavirus. Lohnt es sich etwa, so fragen sich immer noch viele, für unglaublich viel Geld eine bessere, klimafreundlichere Welt zu schaffen, wenn wir gar nicht wissen, was später noch kommt? Das Hier und Jetzt ist eben sehr viel wichtiger als das, was erst zukünftig zu erwarten ist. In der Corona-Krise sind wir im „später“ aber längst angekommen.

          Jahrzehnte lang wurde gewarnt, die Einschläge kamen mit den ersten Corona-Epidemien näher, aber keiner wollte mehr Geld ausgeben für Vorräte an Masken, Schutzkleidung und Geräten. Die Impfstoffentwicklung könnte viel weiter sein. Jetzt erleben wir, wie die Staaten ihre Kassen plündern müssen: 1,2 Billionen Dollar aus Washington, bald eine Billion Euro aus Berlin, der ökonomische Selbsterhaltungstrieb macht vieles möglich. Jeder weiß, es geht ums Überleben. Vielleicht ist das dann auch der geeignete Zeitpunkt, die große Rechnung für das zweite virulente Menschheitsproblem aufzumachen. 150 bis fast 800 Billionen Dollar Verluste bis zum Jahr 2100, oder zehn Billionen jährlich, könnten zusammenkommen, sollten die im Pariser Klimavertrag hinterlegten nationalen Klimaziele bis zum Ende dieses Jahrhunderts nicht erreicht und Klimaschäden nicht vermieden werden.

          Im Gegenzug könnten zwischen 120 und 600 Billionen Dollar trotz hoher Anfangsinvestitionen gutgemacht werden, wenn die Welt weiter aggressiv auf energiesparendes, klimaneutrales Wirtschaften umrüstet und deutlich unter zwei Grad Erwärmung bleibt. Es stimmt, das alles ist so ähnlich schon oft gerechnet worden, und es ist auch nicht viel gewonnen, wenn die Energieexperten, die diese Rechnung – Land für Land – in „Nature Communications“ aufmachen, ihren Ansatz nun großspurig als „Strategie zur Selbsterhaltung“ bezeichnen. Aber vielleicht überzeugt es den einen oder anderen Präventionsgegner ja, wenn er erfährt, dass diese vorausschauende Rechnung nicht in Washington oder Berlin, sondern in Peking aufgemacht wird.

          Joachim Müller-Jung
          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

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