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Klimagas-Statistik überrascht : Urplötzlich stagniert der Kohlendioxidausstoß

Hier wird CO2 ausgestoßen: Schornsteine eines Blockheizkraftwerks in Berlin Bild: dpa

Faustdicke Überraschung mitten in den Klimaverhandlungen: Die Internationale Energieagentur meldet stagnierende Kohlendioxid-Emissionen – und das, obwohl die Weltwirtschaft kräftig wächst.

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          Die Internationale Energieagentur IEA sieht es als Signal für den entscheidenden Klimagipfel in Paris Ende des Jahres: Zum ersten Mal in vierzig Jahren, so scheint es, ist der Ausstoß an Kohlendioxid, dem wichtigsten klimawirksamen Treibhausgas, trotz eines deutlichen Wachstums der Weltkonjunktur nicht weiter gestiegen. Mit 32,3 Milliarden Tonnen wurde 2014 ungefähr der Emissionswert des Vorjahres erreicht. Das hat die Agentur am Freitag mitgeteilt. Nimmt man andere Klimagasstatistiken wie die des Global Carbon Projects und stimmen die IEA-Zahlen, so könnten die Emissionen 2014 sogar leicht rückläufig sein.

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Noch sind die endgültigen Zahlen zwar nicht veröffentlicht, sie sollen erst zur Veröffentlichung des IEA-Berichts im Juni erscheinen. Doch die Entwicklung hat die Fachleute offenbar dermaßen überrascht, dass man mit der Bekanntgabe der ersten Zahlen nicht warten wollte. Tatsächlich passen die Zahlen nicht so recht ins Bild der letzten Jahrzehnte: Zwar hat man schon dreimal eine Stagnation der Kohlendioxid ermittelt, in den Jahren 2009 und 1992 sowie in den achtziger Jahren, aber damals hatte die Weltwirtschaft deutlich geschwächelt. Im vergangenen Jahr dagegen ist die Konjunktur um satte drei Prozent gestiegen.

          „Das ist eine echte, sehr willkommene  Überraschung“, sagte Chefökonom der IEA, Fatih Birol. Was die längst erhoffte Entkoppelung von Wachstum und Klimagas-Emissionen bewirkt haben soll, ist vorerst allerdings ein Rätsel.

          Energiezukunft - nciht nur ein europäisches Thema. China hat die Windenergie, Wasserkraft und Solaranlagen massiv ausgebaut.

          Die Energieagentur, die die Zahlen aus den Emissionsmeldungen der einzelnen Länder seit Jahren ermittelt, hält die Veränderungen in den Industrieländern und vor allem in China für entscheidend. China hat die regenerativen Energieträger in den letzten Jahren massiv ausgebaut, und damit, so die IEA, sei „weniger Kohle für die Energiegewinnung“ verbrannt worden. Auch die Schwäche der chinesischen Ökonomie dürfte dazu beigetragen haben. In den OECD-Ländern sieht die Agentur auch deutliche Fortschritte im Klimaschutz: Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz und der Ausbau der Regenerativen griffen jetzt. Der IEA-Chefökonom warnte allerdings davor, diese Entwicklung klimapolitisch falsch zu deuten: „Es ist ein wichtiges Momentum für die Klimaverhandlungen im Dezember in Paris“, sagte Birol, „aber es darf keinesfalls Anlass sein, mit den Bemühungen um weitere Maßnahmen zum Schutz des Weltklimas nachzulassen.“

          Kohlendioxid-Gehalt der Luft steigt

          Die Kohlendioxid-Bilanz erscheint auch vor dem Hintergrund der jüngsten Messungen in der Atmosphäre durchaus etwas überraschend. In den letzten Wochen ist die Schwelle von 400 ppm Kohlendioxid (Anteile pro Million Luftteilchen), die im Vorjahr nur gelegentlich überschritten worden war, an den Messstationen mehr oder weniger dauerhaft erreicht worden. Zu den kurzfristigen Schwankungen in der Kohlendioxidkonzentration kann es immer wieder durch Einflüsse der Jahreszeiten und meteorologische Extreme kommen, wenn die kohlendioxidverbrauchende Vegetation entsprechend zu- oder abnimmt,  oder auch nach Vulkanausbrüchen.

          Wie viel von dem freigesetzten Treibhausgas in der Luft endet und dort langfristig die Erwärmung der Atmosphäre forciert, hängt eben auch von den Aufnahmekapazitäten dieser natürlichen Speicher ab. Dass der 400ppm-Wert nun dauerhaft überschritten wird und weiter ansteigt, deutet jedenfalls darauf hin, dass die Atmosphäre immer mehr Kohlendioxid anreichert.  Die irdische Lufthülle enthält mittlerweile gut vierzig Prozent mehr Kohlendioxid als vor Beginn der Industrialisierung im 19. Jahrhundert.

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