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100-Prozent-Quote : Die Dramaturgen der Klimawende

Beobachter des Wandels: Eisberge in der Gletscherlagune Jökulsarlon im Süden Islands. Bild: dpa

Fakten, Fakten, Fakten: Mehr Klimawissen gab es nie, mehr Einigkeit auch nicht. Und doch zeigt Madrid: Die Lösung der Klimakrise bleibt für die meisten höhere Mathematik – mit einer Unbekannten.

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          Viele fragen sich, wer eigentlich das Drehbuch für die Klimagipfel schreibt. Greta Thunberg ist es nicht, das kann jeder an den Ergebnissen sehen, auch wenn die junge Schwedin durchaus das Zeug dazu hätte. Deshalb tippen wir mal auf die Vereinten Nationen.

          Die dürfen immer dann das große Wort führen, wenn die Vereinigten Staaten sich wegducken, weil es für sie sowieso nichts abwirft. Patricia Espinosa, die von den Vereinten Nationen eingesetzte Generalsekretärin des Klimasekretariats, hat nun auf dem Madrider Klimagipfel einen Satz fallenlassen, der die eigentlichen Ghostwriter ins Spiel bringt. Die Wissenschaft, sagt sie, sei unsere gemeinsame Sprache. Espinosa hat als Kind in Mexiko-Stadt die Alexander-von-Humboldt-Schule besucht, viel näher muss man sie nicht an den Wissenschaftsbetrieb heranrücken. Aber sie kann als lupenreine Diplomatin hören, sehen, fühlen und die Wissenschaft richtig einordnen.

          Patricia Espinosa, die Exekutivsektretärin des Klimasekretariats, und UN-Chef Antonio Guterres auf dem Klimagipfel in Madrid.
          Patricia Espinosa, die Exekutivsektretärin des Klimasekretariats, und UN-Chef Antonio Guterres auf dem Klimagipfel in Madrid. : Bild: EPA

          In ihrem Satz von der kulturübergreifenden Rolle der Wissenschaft hat sie ihr Vertrauen in die Befunde und Methoden der Klimaforschung zum Ausdruck gebracht. Das ist nicht selbstverständlich. Manche, wie die amerikanische Regierung, halten die Klimagipfel für wissenschaftlich unterwandert. Das ist natürlich Bullshit, aber die Sprachgewalt der Wissenschaften ist auf den Klimagipfeln in der Tat unüberhörbar. Jeden Tag erscheinen Hunderte Seiten dicke Berichte, von der Klimaforschung bis zu Unternehmen und Entwicklungshilfediensten, die immer noch weiter draufsatteln auf die ohnedies schon gewaltigen Berge an Bestandsaufnahmen und globalen Befürchtungen. Was bringt’s noch?, fragen sich viele. Je höher der Berg, desto größer die Fallhöhe. An dieser Stelle kommt zur Klimasprache die Klimamathematik.

          Der kalifornische Physiker James Powell hat jüngst im „Bulletin of Science, Technology & Society“ alle 11 602 zwischen Januar und August dieses Jahres erschienenen sorgfältig begutachteten Artikel mit den Stichworten „Klimawandel“ und „Erderwärmung“ ausgewertet und gefunden, dass nicht mehr nur die vielzitierten 97 Prozent, sondern hundert Prozent der Veröffentlichungen mit der These vom menschengemachten Klimawandel konform gehen. In der Klimasprache heißt das: Mehr Einigkeit geht nicht. Mathematisch mag das korrekt sein, doch der politische Mehrwert – und der ist entscheidend – bleibt abzuwarten.

          Joachim Müller-Jung
          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

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