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Klimaabkommen : Auf dem Weg zu einem Systemwechsel

Das Europäische Parlament hat den Weg zu für das historische Pariser Klimaabkommen frei gemacht. Der Systemwechsel ist jetzt möglich, aber der Erfolg nicht garantiert.

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          Der Weg ist frei. Weniger als ein Jahr nach der historischen Übereinkunft von Paris, als 196 Staaten - von den potentiellen Opfern und den Ambitionierten bis zu den hartleibigen Ölförderstaaten - ihre Zustimmung zu dem Vertragstext gaben, mit dem die Erderwärmung auf unter zwei Grad begrenzt werden soll, ist die entscheidende formale Hürde genommen. Unbestritten hat der globale Klimaschutz damit in kürzester Zeit mehr erreicht, als selbst die kühnsten Weltrettungsvisionen vor einem Jahr hergaben.

          Das i-Tüpfelchen hat jetzt das Europäische Parlament mit der Zustimmung zum Klimaabkommen gesetzt. Mit der Ratifizierung durch die EU werden die geforderten mehr als 55 Vertragsparteien, die zusammen 55 Prozent der Treibhausgas-Emissionen verursachen, ihre Ankündigung wahr machen: Sie wollen Verantwortung für den Planeten übernehmen. Ökologische Verantwortung für die Stabilisierung des Weltklimas und ökonomische Verantwortung dafür, dass die Weltwirtschaft nicht ins Chaos stürzt und die Ärmsten nicht mit den nun fälligen Klimaschutzmaßnahmen durchs soziale Netz fallen. Mehr Wille geht nicht. Am Ende dürfte das Klimaabkommen zu einem Systemwechsel im weltweiten Energieregime führen, der beispiellos in der Geschichte ist.

          Keine Erfolgsgarantie

          Innerhalb von dreißig Tagen kann es nun in Kraft treten, rechtzeitig also zum Beginn des Klimagipfels in Marrakesch, wo schon die nächste Phase beginnt. Schlag auf Schlag ging es zuletzt, und tatsächlich: So stürmisch hat man die Klimapolitik zu keinem Zeitpunkt in dem zwanzigjährigen Ringen um ein Weltklimaregiment erlebt. Zuerst haben die größten Treibhaussünder, China und Amerika, zugestimmt, auf Indien am Wochenende und die EU soll nun auch noch Kanada folgen.

          Es war den Großen offensichtlich wichtig, sicherzustellen, dass sie schon in der ersten Phase der Verhandlungen über die anstehenden Maßnahmen konkret mitreden. Alles zusammengenommen sind das allerdings nur Symbole. Eine Erfolgsgarantie ist daraus kaum abzuleiten. Wie Obama, der jüngst die klimawissenschaftliche Rechnung seines innenpolitischen Maßnahmenpakets vorgesetzt bekam, auf der stand: „Reicht nicht“, so könnte es allen anderen gehen, die sich im Licht schöner Zahlen sonnen. Papier ist geduldig, das hat das ungeliebte Kyoto-Protokoll gezeigt.

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

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