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Zum Kopenhagener Gipfel : Die Kosten des Klimaschutzes

Zwei Grad sollen den Ausschlag geben? Bild: Eumetsat

Klimaschutz kostet viel Geld. Deshalb wird auf der Klimakonferenz in Kopenhagen so zäh über eine Reduktion der Treibhausgase verhandelt. Mit den richtigen Instrumenten ist Klimaschutz billiger zu haben.

          Immer wieder ist zu hören, dass Klimaschutz kaum etwas kostet und sich über geringere Energiekosten weitgehend selbst finanziert. Vor allem Politiker und Umweltaktivisten behaupten das. Ökonomen hingegen betonen, dass der Klimaschutz hohe Kosten verursacht. Dabei fassen sie den Kostenbegriff nicht nur monetär. Sie erklären, dass Menschen, bevor sie ihren Energieverbrauch verringern, nicht nur auf das Geld schauen, das sie dadurch sparen. Sie wägen – bewusst oder unbewusst – den Aufwand, den sie dafür treiben müssen, und den Nutzen, der ihnen durch einen Wandel ihrer Lebensweise entgeht, gegen die gesparten Energiekosten ab.

          Lisa Becker

          Redakteurin in der Wirtschaft

          Das zeigt das Beispiel der Stand-by-Schaltungen. Ein durchschnittlicher Haushalt spart 80 Euro im Jahr, wenn er immer darauf achtet, Geräte auszuschalten, statt sie im Stand-by-Modus laufen zu lassen. Dennoch ist der Stand-by-Modus allgegenwärtig. Die Ersparnis erscheint vielen offenbar zu gering verglichen mit dem Aufwand, an das Abschalten der Geräte zu denken. Wollte der klimaschützende Staat erreichen, dass die Menschen ihre Geräte vollständig ausschalten, könnte er ihnen Steckdosenleisten schenken, die den Aufwand des Ausschaltens stark verringern. Das kostete allerdings öffentliches Geld – und zeigt, dass selbst ein Klimaschutz, der sich durch geringere Energiekosten vermeintlich selbst finanziert, nicht umsonst zu haben ist.

          Für im Wettbewerb stehende Unternehmen gilt freilich, dass sie viel mehr als private Haushalte auf ihre Kosten achten. Wenn sich eine Investition durch sinkende Energiekosten finanziert, wird sie in der Regel auch verwirklicht. Wenn Unternehmen ihren Energieverbrauch also nicht verringern, lohnen sich solche Maßnahmen zumindest betriebswirtschaftlich offenbar nicht. Hält der Staat sie aus Klimaschutzgründen aber dazu an, weniger Energie zu verbrauchen, kostet das Geld – entweder das Geld der Unternehmen oder im Fall von öffentlicher Förderung Steuergeld.

          Für Entwicklungsländer besonders heikel

          Dass Klimaschutz richtig Geld kostet, wird schon daran deutlich, dass derzeit die Staaten der Welt auf der Klimakonferenz in Kopenhagen zäh darüber verhandeln, wer seine Treibhausgas-Emissionen um wie viel verringern soll. Dass sich kein Land im Alleingang dazu verpflichtet, seinen Ausstoß radikal zu senken, liegt zum einen an den absoluten Kosten des Klimaschutzes. Es hat aber auch damit zu tun, dass jede Tonne, die ein Land mehr als andere sparen muss, den anderen Kosten- und damit Wettbewerbsvorteile verschafft.

          Für Länder, die gerade dabei sind, sich wirtschaftlich zu entwickeln, ist Klimaschutz besonders heikel. Zwar sind angesichts einer technisch wenig fortschrittlichen Produktionsweise Investitionen in den Klimaschutz besonders günstig; die Vermeidung einer Tonne Kohlendioxid ist billiger als in einem Industrieland, in dem schon mit relativ sauberer Technik produziert wird. Allerdings können sich die Entwicklungs- und Schwellenländer selbst diesen Schritt kaum leisten, weil zu viel Armut herrscht. Klimaökonomen fordern deshalb, dass die Industrieländer den ärmeren Ländern die Klimaschutzmaßnahmen bezahlen sollen.

          Für die Industrieländer wäre eine Verringerung der Treibhausgase – es geht vor allem um Kohlendioxid – zwar besser zu verkraften; doch auch auf sie kämen beträchtliche Kosten zu. Denn immerhin müssten sie, wenn bis zum Jahr 2050 der Temperaturanstieg gegenüber der vorindustriellen Zeit auf 2 Grad begrenzt werden soll, ihren Ausstoß an Treibhausgasen bis dahin um 80 bis 90 Prozent senken. Das bedeutet den fast vollständigen Ausstieg aus der Kohlenstoffwirtschaft.

          Alleingänge sind nicht zu rechtfertigen

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