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Unerreichte Klimaziele : Weltgemeinschaft gibt zu wenig für Klimaschutz aus

  • -Aktualisiert am

Trägt die Folgen des Klimawandels: Die Insel Malé – Hauptstadt der Malediven. Bild: AFP

Die Pläne der großen Nationen zum Klimaschutz reichen nicht aus, um den Anstieg der Temperatur auf mehr als zwei Grad zu verhindern. Manche Inselstaaten haben schon Angst vor den Konsequenzen.

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          Einen Monat vor Beginn des Weltklimagipfels in Paris hat das Sekretariat der Klimakonvention erstmals Zahlen über die freiwilligen Beiträge der 196 Vertragsmitglieder vorgelegt, die Emissionen schädlicher Treibhausgase zu reduzieren. Demnach hatten per Anfang Oktober 146 Staaten ihre Pläne für den freiwilligen Klimaschutz vorgelegt, sagte Exekutivsekretärin Christiana Figueres. Doch werde das nicht reichen, um das Ziel einzuhalten, den Anstieg der Temperatur bis zum Ende des Jahrhunderts auf 2 Grad Celsius zu begrenzen.

          Andreas Mihm
          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel-, Südosteuropa und die Türkei mit Sitz in Wien.

          Sie zitierte Berechnungen der Internationalen Energieagentur (IEA), nach denen die bisher zugesagten Maßnahmen zu einem Anstieg der Temperatur um 2,7 Grad Celsius führen würden. Bisher seien gute und bedeutsame Schritte gemacht worden, „aber das ist nicht genug“, sagte Figueres weiter.

          Umweltstaatssekretär Jochen Flasbarth pflichtete ihr bei: „2,7 Grad sind besser als 4 Grad Celsius, aber schlechter als 1,5 Grad.“ Gefährdete Inselstaaten wollen eine Zusage, den Temperaturanstieg auf 1,5 Grad zu begrenzen. Figueres forderte die 196 Mitglieder der Klimakonferenz auf, in Paris die Klimaziele in einem international bindenden Vertrag zu verankern sowie sicherzustellen, dass weitere Schritte folgen würden. Bis auf die EU lehnen die meisten Staaten es aber ab, konkrete Reduktionzusagen verbindlich und überprüfbar in den Vertrag aufzunehmen.

          Kleine Staaten sind überfordert

          Die beabsichtigten nationalen Beiträge – Klimadiplomaten nennen sie INDCs – führten bis zum Jahr 2030 bestenfalls zu einer Minderung der Treibhausgasemissionen um 4 Gigatonnen. Pro Kopf der Weltbevölkerung gingen sie um 9 Prozent zurück. Das zeige, dass das Wachstum der Wirtschaft und das der Treibhausgase entkoppelt werden könnten. In Deutschland waren zwar 2014 Energieverbrauch und die Emissionen wegen der milden Witterung gesunken, doch stieg der Energieverbrauch in der Industrie laut statistischem Bundesamt geringfügig.

          Die 146 Staaten (oder samt EU die 147 COP-Mitglieder) hätten 119 Vorschläge abgegeben. Die Differenz erklärt sich dadurch, dass die EU für ihre 28 Mitglieder ein Ziel genannt hat. Alle Industriestaaten und drei Viertel aller Entwicklungsländer hätten Vorschläge eingereicht. Zusammen deckten sie 87 Prozent der Weltklimagasemissionen ab.

          Ein Viertel der Zusagen aus den Entwicklungsstaaten sei daran gebunden, dass es dafür technische oder finanzielle Unterstützung gebe. Figueres machte deutlich, dass sie dies für eine kleine Quote halte, indem sie das Wort „nur“ anfügte. Dass gut 40 Staaten noch keine INCDs vorgelegt hätten, führte sie auch darauf zurück, dass manche kleine Staaten damit überfordert seien. Andererseits hob sie hervor, dass mit der Erstellung der INDCs auch innerhalb der Staaten oft intensive Debatten einhergingen, die zu einer weiteren Bewusstseinsbildung beitrügen.

          China beginnt erst 2030 mit dem Klimaschutz

          Die auf der Website des UNFCCC im Internet einsehbaren INCDs fallen allerdings sehr unterschiedlich aus. Manche, wie die der EU, geben klare Reduktionsziele bis 2030 – hier 40 Prozent gegenüber 1990 – vor. Amerika dagegen will seine Emissionen bis 2030 um knapp 30 Prozent senken, allerdings gemessen an 2005.

          Will mehr Geld: Exekutivsekretärin der Klimakonvention Christina Figueres
          Will mehr Geld: Exekutivsekretärin der Klimakonvention Christina Figueres : Bild: dpa

          China hingegen, das zuletzt und mit steigender Tendenz auf einen Anteil von 27 Prozent aller Treibhausgasemissionen kam, will spätestens 2030 mit der Senkung seiner Emissionen beginnen. Indien, das sich als besonders skeptisch gegenüber Minderungsversprechen zeigt, verlangt internationale Hilfestellung, etwa für die Umstellung der Elektrizitätserzeugung auf Sonnen- statt Kohlestrom.

          Umweltgruppen reagierten kritisch auf die nicht unerwarteten Daten: Nun komme es darauf an, sich auf das Schließen der weiterbestehenden Lücken zu konzentrieren, „sowohl in Paris als auch danach“, sagt Regine Günther vom WWF Deutschland. Germanwatch und Brot für die Welt verlangten Verschärfungen der Klimaziele im Fünf-Jahres-Rhythmus, mit einer ersten Runde noch vor 2020.

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