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Wasserfonds : Konservative „grüne“ Anlage

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Chinas Wasserversorgung ist in schlechtem Zustand Bild: REUTERS

Wasserfonds boten in den vergangenen Jahren eher mäßige Renditen, waren aber vergleichsweise schwankungsarm. Das kommende Jahr könnte für die Branche nicht zuletzt dank der Effekte aus den Konjunkturprogrammen gut verlaufen, meint Jean Ryan, Managerin des KBC Water Funds.

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          Weniger als 4 Prozent konnten Anleger in den vergangenen fünf Jahren jährlich mit Aktienfonds verdienen, die die Investmentidee Wasser verfolgen. Im Vergleich zu den jährlichen Renditen von bis zu 25 Prozent, die der Branchendienstleister Morningstar für Anlagen in Schwellenländerfonds ausweist, erscheint dies wenig.

          Dass Wasser-Investments nicht erfolgreich gewesen seien, will Jean Ryan, Spezialistin für ökologische Geldanlagen der belgischen Fondsgesellschaft KBC, aber nicht gelten lassen. „Wir haben die Wertentwicklung des MSCI World Index stets deutlich übertroffen, in den vergangenen fünf Jahren um durchschnittlich 5 Prozent.“, sagt sie und verweist auf eine obendrein niedrige Volatilität. Beides zusammen biete ein exzellentes Verhältnis von Risiko und Ertrag, was besonders bei institutionellen Investoren gut ankomme.

          Stabilisierung für ein grünes Depot

          Aber auch Privatanlegern, die in grüne Technologien investieren wollten, biete sich mit einer Investition in Wasser die Möglichkeit die deutlich höhere Schwankungsfreudigkeit der in Unternehmen aus dem Bereich alternativer Energien anlegenden Fonds zu dämpfen. Nach den Daten von Morningstar schwankten die Preise der Schwellenländerfonds in den vergangenen drei Jahren teilweise doppelt so stark wie die der Wasserfonds, die von Fonds aus dem Bereich Alternative Energien um etwa 40 Prozent stärker.

          „Wasser ist keine Anlageform mit hohem Risiko und hohem Ertrag“, sagt Ryan. Das mache seine Qualität als Portfolio-Bestandteil auch für Privatanleger aus. Das liegt nicht zuletzt in der Natur der Ressource Wasser, die so grundlegend ist, dass über ihren Nutzen und Notwendigkeit kaum gestritten wird. Dadurch spielt sie zumindest in Ländern, in denen die Versorgung gesichert scheint, in der öffentlichen Diskussion kaum eine Rolle. Wasser wird nicht wie andere Rohstoffe an Börsen gehandelt. Viel mehr ist die Wasserversorgung eine beständige öffentliche Aufgabe und gerade darin liegen die Chancen, meint Ryan.

          Verschmutzung und Vernachlässigung erhöhen Investitionsbedarf

          Nicht nur die Weltbevölkerung, sondern auch der Pro-Kopf-Verbrauch an Wasser ist in den vergangenen Jahrzehnten beständig gestiegen. Investitionen in die Wasser-Infrastruktur wurden dagegen tendenziell vernachlässigt. Die Abwassersysteme europäischer Großstädte datieren häufig noch aus dem 19. Jahrhundert. „Allein der Schwund durch Lecks kosten die Vereinigten Staaten mittlerweile 800 Millionen Dollar jedes Jahr“, führt Ryan an. Investitionen seien mittlerweile eine Frage der Wirtschaftlichkeit und ließen sich vielfach nicht mehr länger aufschieben.

          Nach Schätzung der OECD werden die Ausgaben für Investitionen in die Wasserversorgung im kommenden Jahrzehnt um 34 Prozent auf mehr als 700 Milliarden Dollar steigen. Eine wichtige Rolle spielt dabei auch die Verschärfung der Qualitätsstandards. Für die Schwellenländer seien Mängel in der Wasserversorgung ein Wachstumshemmnis. Besonders China, wo mehr als zwei Drittel der Flüsse und Seen verschmutzt seien, versuche derzeit viel wettzumachen und habe im vergangenen Jahr 51 neue Richtlinien für die Wasserqualität erlassen.

          Auftrieb durch Konjunkturprogramme

          Wie hoch der Stellenwert des Themas sei, zeige nicht zuletzt, dass immerhin 80 Milliarden Dollar aus den aktuellen Konjunkturprogrammen, vor allem Chinas und der Vereinigten Staaten, für Investitionen in die Wasserversorgung vorgesehen seien, sagt Ryan. Diese sollten auch die Entwicklung der Branche im kommenden Jahr maßgeblich bestimmen, da sich die Ausgaben erst seit einigen Monaten in Aufträgen niederschlügen.

          Tatsächlich habe die Ankündigung des Ausgabenprogramms in den Vereinigten Staaten im Frühjahr für einen Investitionsstau gesorgt, weil kommunale Projekte in Erwartung der Sondermittel flächendeckend zurückgestellt wurden. Hinzu kam, dass der Markt für Kommunalobligationen, mit denen in den Vereinigten Staaten Wasserprojekte üblicherweise finanziert werden eingebrochen war.

          Breite Wirkung

          Ryan geht davon aus, dass sich die Wirtschaft bis Mitte 2010 so weit erholt hat, dass die Infrastrukturmaßnahmen auch nach Auslaufen der Programme weiter fortgesetzt werden, allzumal sich der Markt für Kommunalobligationen wieder belebt habe.

          Der Druck zu einer Verbesserung der Wasserqualität, wozu in vielen Teilen der Welt auch einfach erscheinende Dinge wie Verbrauchsmessungen gehören, werde auch das Bestreben überwiegen, die öffentlichen Finanzen durch weitere Vernachlässigung der Wasser-Infrastruktur zu entlasten. Für Schwellenländer seien Mängel in der Wasserversorgung gar ein Wachstumshemmnis. Profitieren sollte davon eine Vielzahl vor allem asiatischer und amerikanischer Unternehmen, die in allen Bereichen tätig sind, von Entsalzungsanlagen bis hin zur Bleigehaltsmessung.

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