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Weltklimakonferenz : UN: Den Klimawandel zu leugnen ist kriminell

  • -Aktualisiert am
Appell an den Weltklimarat
          2 Min.

          Den Klimawandel zu leugnen und nichts zu tun, um ihn zu bremsen, sei „kriminell verantwortungslos“. Das hat der Exekutivsekretär der Vereinten Nationen Yvo de Boer auf der Konferenz des Weltklimarats IPCC in Valencia gesagt. 450 Delegierte aus 130 Ländern wollen in der spanischen Stadt bis zum Samstag ihren vierten Klimabericht mit Empfehlungen für die Regierungen fertigstellen. Der vorliegende 20 Seiten lange Entwurf, der von den Teilnehmern Zeile für Zeile diskutiert wird, fasst die zuvor in diesem Jahr in Paris, Brüssel und Bangkok formulierten Ergebnisse von drei Arbeitsgruppen des Weltklimarats zusammen.

          Die gebilligte Version soll dann an UN-Generalsekretär Ban Ki-moon übergeben werden und als Grundlage für den Klimagipfel im Dezember in Bali dienen. Der Gipfel in Bali soll wiederum die Vereinbarungen von Kyoto fortschreiben, die bis zum Jahr 2012 gelten. Der Weltklimarat, der im Oktober zusammen mit dem ehemaligen amerikanischen Vizepräsidenten Al Gore den Friedensnobelpreis erhalten hat, will von den Regierungen vor allem in den Industriestaaten verlangen, bis zu einem Prozent des Bruttoinlandsprodukts in die Eindämmung von Treibhausgasen zu investieren.

          Dürren, Brände, Hungersnöte

          Die Delegierten der Vereinigten Staaten erhoben bis zum Mittwoch keine Einwände gegen den Text und signalisierten auf diese Weise eine kooperativere Haltung der Regierung von Präsident George Bush mit Blick auf den Umweltschutz als zuvor. Die Volksrepublik China versucht derweil, mit einem Zusatzantrag einen besonderen Hinweis einzubringen, wonach die Erderwärmung auf die – von den Industrieländern verursachten – Emissionen des vorigen Jahrhunderts zurückgehe. Die Amerikaner legten demgegenüber Wert auf die Feststellung, dass der Ausstoß von Kohlendioxid seit dem Jahr 2000 aufgrund des schnellen Wirtschaftswachstums in Entwicklungsländern erheblich gestiegen sei.

          Yvo de Boer: Nichts zu tun sei „kriminell verantwortungslos”
          Yvo de Boer: Nichts zu tun sei „kriminell verantwortungslos” : Bild: REUTERS

          Die Schlussfolgerungen der Regierungsvertreter, die in Valencia von Repräsentanten verschiedener Nichtregierungsorganisationen unterstützt, zum Teil aber auch schon als „zu schwach und unzulänglich“ kritisiert wurden, umfassen drei Kernpunkte: Der Klimawandel sei „irreversibel“; der Temperaturanstieg seit der Mitte des 20. Jahrhunderts sei „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ zum größten Teil von den Menschen selbst durch den Verbrauch fossiler Brennstoffe verursacht worden; eine weitere Erwärmung mit ihren verheerenden Folgen – Dürren, Brände, Hungersnöte, Überschwemmungen, Zwangsmigration – sei nur noch durch gemeinsames Handeln abzuschwächen.

          Verschwinden der Gletscher

          Der Weltklimarat, der sich nach eigenen Angaben auf Daten und Analysen von dreitausend Wissenschaftlern stützt, legte in Valencia auch Zahlen und Prognosen vor. So zählten elf der vergangen zwölf Jahre zu den heißesten seit Beginn der Messungen im Jahr 1850. Die Temperaturen hätten sich im vorigen Jahrhundert um 0,74 Grad Celsius erhöht. Seit 1990 werde ein besonders deutlicher Anstieg verzeichnet. In den nächsten zwei Jahrzehnten sei jeweils mit einem weiteren Anstieg von 0,2 Grad, bis zum Ende des 21. Jahrhunderts also mit einer Erhöhung von fast zwei Grad zu rechnen.

          Die Temperaturen in der Arktis seien doppelt so schnell gestiegen wie der Durchschnitt. Das Eis sei in den vergangenen 25 Jahren im Sommer um durchschnittlich 7,4 Prozent pro Jahrzehnt geschmolzen. Der Meeresspiegel sei aus diesem Grund zwischen 1961 und 2003 jährlich um 1,8 Millimeter gestiegen, seit 1993 sogar beschleunigt um jährlich 3,1 Millimeter. Bis Ende dieses Jahrhunderts sei daher mit einem Verschwinden der Gletscher und einem Anstieg des Meeresspiegels um bis zu einem halben Meter zu rechnen. Der neue Klimabericht sagt für die nahe Zukunft weitere „extreme“ Entwicklungen voraus. Ein Drittel der Flora und Fauna der Welt seien in den kommenden Jahrzehnten vom Aussterben bedroht.

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