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Treibhausgase : Alles sauber?

Wem nutzen die „sauberen Lösungen”? Kohlearbeiter in Peking Bild: dpa

Nur auf den ersten Blick eine Erfolgsgeschichte: Der nach dem Kyoto-Protokoll entstandene „Kohlenstoffmarkt“ ist nur wenig effektiv. In Wirklichkeit verdienen hauptsächlich die westlichen Unternehmen. Kohlendioxid wird kaum eingespart.

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          Die Bilanz, die Michael Wara von der Stanford-Universität in der heutigen Ausgabe der Zeitschrift „Nature“ über die ersten drei Jahre im globalen „Kohlenstoffmarkt“ aufmacht, liest sich zuerst wie eine große Erfolgsgeschichte des Kyoto-Protokolls. Länder wie China und Indien, die sich als Schwellenländer bislang nicht zu Kohlendioxidreduktionen verpflichten mussten, würden sich „mit großem Enthusiasmus“ an dem neuen Markt beteiligen. Gemeint ist in dem Fall der Teil des Kyoto-Protokolls, der als Clean Development Mechanism (CDM), als „Mechanismus der sauberen Entwicklung“, bekannt ist.

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Die Idee dahinter ist, dass Industrieländer in Entwicklungsländern umweltfreundliche Techniken bauen oder zumindest in „saubere Lösungen“ investieren. Die Investoren aus den Industrieländern erhalten entsprechend der eingesparten Treibhausgasmengen Emissionszertifikate, und die Entwicklungsländer bekommen Gelder, Subventionen, die sie zum Bau der moderneren Kraftwerkstechnik benötigen.

          Mehr als 1500 Projekte sind inzwischen registriert, die zusammengenommen auf eine Verringerung der jährlichen Treibhausgasemissionen von 278 Millionen Tonnen hinauslaufen - knapp ein Prozent der Gesamtemissionen. Interesse und Beteiligung seien zwar überraschend gut, meinte Wara in „Nature“ (Bd. 445, S. 595), aber was das eigentliche Ziel angehe, nämlich in kohlendioxidarme Energieerzeugung zu investieren, seien die Resultate enttäuschend.

          „Eine sehr ineffiziente Subvention“

          Nur ein Drittel der avisierten Emissionsreduktionen zielen auf eine Verringerung des Kohlendioxids ab, zwei Drittel dagegen auf die fünf anderen, im Hinblick auf die Energiezukunft weniger wichtigen Treibhausgase.

          Besonders kontraproduktiv erscheint Wara das plötzlich gestiegene Interesse an einer Reduktion von Fluoroform (HFC-23). Es nimmt allein fast ein Drittel der CDM-Projekte ein. Fluoroform ist ein Nebenprodukt bei der Kühlmittelherstellung. Es abzufangen und zu zerstören ist technisch recht unkompliziert und für die weltweit gerade mal 17 Hersteller keine riesige Investition. Wara schätzt sie auf zusammen hundert Millionen Euro. Doch vom CDM bekommen die Herstellerländer für die Zusage der Technikumstellung in den Chemieanlagen bis zum Jahr 2012 sage und schreibe 4,7 Milliarden Euro.

          „Eine sehr ineffiziente Subvention“, kritisiert Wara. Solche „billigen Kredite“ könnten dafür sorgen, dass die kohlendioxidsenkenden Techniken für den Ausstieg aus dem Fossilzeitalter weniger Zulauf bekommen als gewünscht. Er fordert, den „sauberen Mechanismus“ ausschließlich auf Maßnahmen zur Kohlendioxidemission zu beschränken.

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