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Solarenergie : Die Perfektionierung der Siliziumzelle

  • -Aktualisiert am

Bei Leipzig sollen bis Ende 2009 Solarzellen mit einer Leistung von 40 Megawatt-Peak aufgestellt werden Bild: picture-alliance/ dpa

Sie schießen wie Pilze aus dem Boden: Üppige Vergütungen fördern die kristalline Siliziumzelle. Das bremst andere Innovationen. Photovoltaik ist die teuerste Möglichkeit, zum Klimaschutz beizutragen.

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          Sie nennen sich „Bürgersolaranlagen“ und man installiert sie auf den Dächern von Gemeindekindergärten, Stadthallen oder Feuerwehrhäusern. Ihren Namen verdanken sie (zum Teil) dem Umstand, dass man als Standfläche städtisches Eigentum nutzt. Wesentlich für die Namensgebung ist das gewählte Finanzierungskonzept: Man fordert die Bürger einer Kommune auf, Anteile an den Investitionskosten einer Solaranlage zu zeichnen und schlägt so zwei Fliegen mit einer Klappe - wobei einer der Vorteile des Engagements deutlich stärker kommuniziert wird als der andere: Durch den Betrieb der Anlage werde ein Beitrag zur Schonung der Ressourcen und zum Klimaschutz geleistet, so die Argumentation. Zum anderen winke eine „ordentliche“ Rendite, die das Engagement auch finanziell interessant mache.

          Bürgersolaranlagen schießen wie Pilze aus dem Boden. Dächer, Freiflächen und Fassaden werden in Deutschland mit Photovoltaikanlagen regelrecht überzogen. Die Rekorde jagen sich. Jahr für Jahr werden immer größere Zuwächse gemeldet. So sind 2007 Anlagen mit einer Leistung von 1100 Megawatt-Peak neu ans Netz gegangen, was einer Steigerung gegenüber 2006 von knapp 30 Prozent entspricht. Zusammengefasst verfügt Deutschland mittlerweile über eine Solarstromleistung von 3800 Megawatt-Peak, was auf den ersten Blick der Leistung von vier großen Kohlekraftwerken entspricht. Doch das stimmt nur bedingt, kann doch im schattigen Deutschland und wegen der nur tagsüber strahlenden Sonne mit einer Solaranlage nur etwa ein Neuntel der Strommenge erzeugt werden aus einem gleich großen Kohlekraftwerk.

          Einspeisevergütung über 20 Jahre garantiert

          Dass trotz dieser nicht gerade überwältigenden Ausbeute weiter ungebremst in Photovoltaikanlagen investiert wird, liegt an dem vor acht Jahren aus der Taufe gehobenen und 2004 novellierten Erneuerbare Energien Gesetz (EEG). Die Betreiber von Solaranlagen erhalten mit 46 Cent je Kilowattstunde eine üppige Einspeisevergütung und zwar garantiert über 20 Jahre. Zahlen muss diesen Betrag die Solidargemeinschaft der Stromkunden, so dass Bürgersolaranlagen von der großen Gruppe der Durchschnitts- und Geringverdiener über deren Stromrechnungen alimentiert werden, während die finanziellen Vorteile einer solchen Gruppeninvestition nur wenigen zugute kommen.

          Bild: F.A.Z.

          Diese „Umverteilung“ ruft immer häufiger Kritiker auf den Plan, die zudem monieren, dass mit keiner anderen Technik der ausgelobte Beitrag zum Klimaschutz so teuer erkauft werde wie mit der Photovoltaik. So hat das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung RWI in Essen für jede durch Solarstromanlagen vermiedene Tonne Kohlendioxid Kosten von gut 900 Euro ausgemacht, während der 2005 etablierte Emissionshandel diese Menge mit rund 30 Euro bewertet.

          Solarboom ist und bleibt ungebrochen

          Doch noch mit einer weiteren Zahl hat das RWI Aufmerksamkeit erregt. So haben die Wissenschaftler die Einspeisevergütung für die bis Ende 2007 aufgestellten Photovoltaikanlagen über den Garantiezeitraum von 20 Jahren hochgerechnet und sind dabei auf eine Summe von rund 31 Milliarden Euro gekommen. Um von diesem Bruttobetrag auf den „wahren“ Wert des Sonnenstroms zu schließen, haben sie die Summe um die Kosten der vermiedenen konventionell zu produzierenden Strommenge bereinigt. Herausgekommen sind für den derzeit installierten „Maschinenpark“ Solarstromfolgekosten von etwa 23 Milliarden Euro.

          Ein Betrag, der umgelegt auf die Zahl der Beschäftigen eine Subventionierung jedes Arbeitsplatzes in der Photovoltaikbranche von rund 153.000 Euro ergibt. Zum Vergleich: Für die Kumpel im deutschen Steinkohlebergbau wurden „nur“ etwa 78.000 Euro ausgegeben. Unter diesen Randbedingungen ist und bleibt der Solarboom ungebrochen. Meldungen über die Inbetriebnahme neuer Produktionsanlagen gehen in immer kürzeren Abständen durch die Medien, wobei anders als bisher die Fabriken zunehmend in Ländern wie Malaysia, Singapur und China errichtet werden.

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