https://www.faz.net/-gwz-14rp5

Siemens-Chef Löscher : „Die ökologischen Glaubenskriege sind passé“

  • Aktualisiert am

"Die Menschheit verbraucht heute an Ressourcen das 1,3fache dessen, was der Planet verkraftet Bild: Jan Roeder / F.A.Z.

Klimaschützer gegen Unternehmen - dieser Kampf ist Geschichte, behauptet Siemens-Chef Peter Löscher. Ökotechnik werde die Leitindustrie des 21. Jahrhunderts. Deshalb setzt er auf die „grüne Revolution“. Auch, um Siemens Subventionen für seine Technologien zu sichern? Ein Interview.

          7 Min.

          Klimaschützer gegen Unternehmen - dieser Kampf ist Geschichte, behauptet Siemens-Chef Peter Löscher. Ökotechnik werde die Leitindustrie des 21. Jahrhunderts. Deshalb setzt er auf die „grüne Revolution“. Auch, um Siemens Subventionen für seine Technologien zu sichern? Ein Interview.

          Herr Löscher, fahren Sie kommende Woche nach Kopenhagen?

          Selbstverständlich. Als Vorsitzender der Klimaschutzinitiative der deutschen Industrie und als Chef des Unternehmens mit dem weltweit größten Umweltportfolio.

          „Ich bin sicher, beim Klimaschutz will kein großes Land im Abseits stehen”
          „Ich bin sicher, beim Klimaschutz will kein großes Land im Abseits stehen” : Bild: Jan Roeder / F.A.Z.

          Wird der Klimagipfel ein Erfolg?

          Kopenhagen ist schon jetzt ein Erfolg. Überall auf der Welt hat Klimaschutz heute einen viel höheren Stellenwert als je zuvor. Um konkreten Fortschritt auf den Weg zu bringen, braucht man auch Daten, auf die man zusteuert. Kopenhagen setzt ein solches Datum. Ich bin davon überzeugt, dass es ein Rahmenabkommen zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes geben wird. Das ist gut und wichtig.

          Woher nehmen Sie die Zuversicht?

          Nehmen Sie die Aussagen von Präsident Obama oder der chinesischen Regierung. Da sind wir heute viel weiter als vor früheren Konferenzen. Man wird nicht sofort zu ratifizierbaren Verträgen kommen und manches im Nachgang regeln müssen. Aber damit lässt sich umgehen. Entscheidend ist, dass am Ende der Konferenz die Entschlossenheit zu einem ambitionierten, weltweiten Abkommen steht und es dementsprechend eine konkrete Orientierung gibt.

          Warum ist die Industrie plötzlich so heiß auf das Klima? Warum gebärden sich Manager so grün, als seien sie in Birkenstock-Sandalen auf die Welt gekommen?

          Glaubenskriege vergangener Tage sind längst passé. Ökologie ist heute kein Thema mehr von Verzicht oder von alternativen Lebensformen. Umweltschutz ist eine Frage von Technologie, Innovation und wirtschaftlichem Erfolg. Das ist gutes, zukunftsweisendes Geschäft. Studien sagen voraus, dass der Umweltmarkt im Jahr 2020 weltweit 3000 Milliarden Euro groß sein wird. Laut diesen Zahlen wird die Ökotechnik die Leitindustrie des 21. Jahrhunderts für Deutschland, noch wichtiger als der Maschinenbau und die Automobilindustrie. Deutschland ist Pionier und Weltmarktführer in diesem Bereich. Jedes Kind weiß, dass Deutschland Exportweltmeister ist. Das sind wir nicht zuletzt, weil wir auch Weltchampion in Umwelttechnologie sind. Und dies ist noch viel zu wenig bekannt.

          Die Industrie macht so viel Wind um die Ökologie, dass man zweifelt: Wie viel davon ist echt, wie viel Marketing?

          Grün anstreichen gilt nicht, reicht nicht und trägt nicht. Nehmen Sie unser Umweltportfolio. Es ist ein erstklassiger Wachstumstreiber: Wir machen heute 23 Milliarden Euro Umsatz damit, das entspricht elf Prozent Zuwachs gegenüber dem Vorjahr, in der schwersten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten. 100.000 Beschäftigte arbeiten in dem Bereich, wir haben hier 14.000 Patente und investieren mehr als eine Milliarde Euro im Jahr für Forschung und Entwicklung bei Umweltthemen. Allein mit Technologien, die bereits existieren, könnte man die weltweiten CO2-Emissionen schon um 40 Prozent senken.

          Und das soll alles ohne Verzicht des Einzelnen abgehen? Andere predigen die Abkehr vom Wachstum, um die Welt zu retten. Wenn Sie davon sprechen, meinen Sie erst mal mehr Umsatz für Siemens.

          Weitere Themen

          Die Asteroiden-Mission von „Osiris-Rex“ Video-Seite öffnen

          Videografik : Die Asteroiden-Mission von „Osiris-Rex“

          Nach dem erfolgreichen Sammeln von Gesteins- und Staubproben auf dem Asteroiden Bennu ist die US-Raumsonde „Osiris-Rex“ auf dem Heimweg zur Erde. Wissenschaftler erhoffen sich von der Mission Erkenntnisse über die Bildung unseres Sonnensystems.

          Topmeldungen

          In einer Apotheke in Soest wird ein Schnelltest vorgenommen.

          RKI-Zahlen : Sieben-Tage-Inzidenz sinkt unter 104

          17.419 Corona-Neuinfektionen und 278 Todesfälle, das sind wieder weniger als vor einer Woche. Entsprechend geht die Sieben-Tage-Inzidenz weiter zurück – auf 103,6. Für Urlaubsrückkehrer und Einreisende gelten ab heute gelockerte Regeln.
          Dem Virus keinen Raum geben: Im Hotel in den Messehallen von Singapur konferiert man vor Trennscheiben.

          Singapur : Das erste coronasichere Hotel

          Als erster Ort der Welt bietet der Stadtstaat Singapur ein coronasicheres Hotel mit Konferenzräumen. Geschäftsleute hinter Glas können Verträge besprechen oder neue Mitarbeiter kennenlernen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.