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Nordpol-Projekt : Forschungszeppelin stürzt auf Wohnhaus

Der Ort des Debakels: Der abgestürzte Zeppelin in Tourettes Bild: AFP

Es sollte zentrale Fragen der Klimaforschung beantworten. Wissenschaftler wollten mit einem Zeppelin Eisberge am Nordpol vermessen. Jetzt ist es abgestürzt - und das 4,5 Millionen Euro teure Projekt möglicherweise komplett gescheitert.

          Dass die Eisberge am Nordpol schmelzen, ist bekannt - doch nicht, in welchem Umfang. Die Wissenschaftler kennen nur die Ausdehnung der Eisbedeckung, nicht ihre Dicke unterhalb der Wasseroberfläche. Ein deutsch-französisches Forschungsprojekt sollte diesen Mangel beheben. Am Dienstagmorgen aber riss ein Sturm in Südfrankreich den für die Messung vorgesehenen Zeppelin von den Leinen und ließ ihn auf ein Wohnhaus abstürzen. Das Projekt, das „eine Schlüsselfrage der Klimaforschung behandelt und zu den zentralen Forschungsthemen im Internationalen Polarjahr 2007/ 2008 gehört“, so die Ankündigung des Alfred-Wegener-Instituts in Bremerhaven vom vergangenen Jahr, ist auf unbestimmte Zeit verschoben, wenn nicht sogar komplett gescheitert.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          „Es ist zum Heulen“, sagte der französische Arzt Jean-Louis Etienne, der die Expedition auf französischer Seite anführte „seit drei Jahren arbeiten wir an diesem Projekt.“ Ein plötzlicher Sturm gegen 6 Uhr morgens, der Windgeschwindigkeiten von 100 Kilometern pro Stunde erreichte, riss das Luftschiff in die Höhe. Die acht Pfeiler, an denen es befestigt war - 1,60 Meter tief im Boden, aber nur vier Zentimeter breit - konnten dem Wind nicht widerstehen. Der Pilot des Zeppelins hatte nach eigenen Angaben am Vorabend noch den Wetterbericht konsultiert. Doch der staatliche Wetterdienst Meteo France, der auch als Partner des Forschungsprojektes beteiligt ist, gab keine Sturmwarnung.

          Ratlosigkeit allerorten

          Jetzt herrscht allgemein Ratlosigkeit, sowohl beim Alfred-Wegener-Institut als auch bei Etienne sowie beim französischen Öl- und Gaskonzern Total, der das 4,5 Millionen Euro teure Projekt finanzierte. Es war vorgesehen, dass der Zeppelin im April von Spitzbergen über den Nordpol zur kanadischen Küste und dann weiter nach Alaska fliegt und dabei eine von dem Institut entwickelte elektromagnetische Sonde in geringer Höhe unter sich herzieht. Damit sollte ein kompletter Datensatz erarbeitet werden, der für spätere Forschungsprojekte, darunter den geplanten Einsatz von Satelliten, einen Vergleichsmaßstab darstellt. Im Oktober 2006 hatte der Bau des Zeppelins durch ein russisches Unternehmen begonnen.

          Der Zeppelin sollte eine „Schlüsselfrage der Klimaforschung” beantworten

          Die Sonde sollte im Februar dieses Jahres fertiggestellt werden. Etienne, der in Frankreich als Entdecker und Forscher weithin bekannt ist, hatte im französischen Fernsehen vor den 20-Uhr-Nachrichten schon regelmäßig über das Projekt berichtet. Filmrechte waren vergeben, die Termine für öffentliche Startveranstaltungen in Frankreich und Deutschland schon gebucht.

          „Wir prüfen jetzt alle unsere Optionen“, sagte Etienne. Doch das Luftschiff lasse sich nicht einfach ersetzen, denn es sei eigens für diese Expedition entwickelt worden, sagte er. Wenn die Forscher in diesem Jahr noch starten wollen, bleibt ihnen nicht viel Zeit, denn die Messungen müssen im April ausgeführt werden, wenn es genügend Helligkeit gibt und das Wintereis von der einsetzenden Sommerwärme noch nicht abgeschmolzen ist. Die Beteiligten überlegen nun, die Flüge mit einem Hubschrauber zu absolvieren. Dies wäre allerdings teurer und ermöglichte nicht die gleiche Flächenabdeckung.

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