https://www.faz.net/-gwz-14mrp

Nach Eklat zum Abschluss des Klimagipfels : Plenum nimmt Vereinbarung „zur Kenntnis“

„Es mag nicht alles sein, was sich alle erhofft hatten. Aber es ist ein Anfang”: UN-Generalsekretät Ban Ki Moon Bild: dpa

Eigentlich sollten die Delegierten den Text der Abschlusserklärung nur noch durchwinken. Doch einige Entwicklungsländer machten deutlich, dass sie mit der Art, wie ihnen die Einigung präsentiert wurde, nicht einverstanden sind. Am Ende nahm das Plenum die Vereinbarung „zur Kenntnis“.

          Die Vereinten Nationen haben sich auf dem Klimagipfel in Kopenhagen auf den allerkleinsten politischen Nenner geeinigt. Das angepeilte Ziel einer Selbstverpflichtung zur Halbierung des globalen Kohlendioxidausstoßes bis zum Jahre 2050 wurde verfehlt, nur das Zwei-Grad-Ziel anerkannt.

          Hendrik Kafsack

          Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Nach dem Abflug der Staats- und Regierungschefs war selbst der Minimalkonsens noch einmal in akute Gefahr geraten. Im Plenum der 193 Staaten auf der UN-Konferenz regte sich massiver Widerstand gegen die Vereinbarungen der Regierungschefs. Zahlreiche Redner aus Entwicklungsländern übten in einer mehrstündigen Plenarsitzung heftige Kritik, darunter die Vertreter von Tuvalu, dem Sudan, Kuba, Bolivien und Venezuela.

          Wegen des offiziellen Widerspruchs konnte das Papier danach nicht mehr als offizielle UN-Entscheidung verabschiedet werden. Schließlich fand die Konferenzführung die Lösung, das Papier über die „Kopenhagen Übereinkunft“ („Copenhagen Accord“) nur zustimmend zur Kenntnis nehmen zu lassen.

          Die Nacht war lang: Müde Delegierte im Abschlussplenum

          UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon äußerte sich am Samstag dennoch zufrieden darüber, dass man „am Ende zu einem Abschluss gekommen“ sei. Damit stehe man jedoch erst am Anfang. Es sei weniger erreicht worden, als viele erhofft hätten. „Es braucht mehr als das, den Klimawandel zu bekämpfen“, sagte Ban.

          Ban hob hervor, dass alle Teilnehmerstaaten das Ziel anerkannt hätten, den Anstieg der Erdtemperatur auf zwei Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit zu begrenzen. Das wird von Wissenschaftler als Maximum dessen angesehen, was die Erde noch verkraften kann. Die Inselstaaten und viele andere Entwicklungsländer hatten lange auf einem Ziel von 1,5 Grad beharrt. Als Erfolg verbuchte Ban die Zusage eines 30 Milliarden Dollar umfassenden „Kopenhagener Klimafonds“, für Schutzprojekte in den ärmsten Ländern für die Jahre bis 2012. Das Geld dafür soll vom nächsten Jahr an zur Verfügung stehen. Allerdings ist die Finanzierung noch nicht gesichert, nachdem Amerika seine Zusage auf ein Drittel, 3,6 Milliarden Dollar, zurückgenommen hatte. Die EU will 10 Milliarden, Japan 11 Milliarden Dollar beitragen.

          Als Forschritt wertete Ban die Anstrengungen zum Schutz der Wälder als Kohlendioxidspeicher, wie auch die grundsätzliche Bereitschaft der Entwicklungsländer, ihre Klimaprojekte überprüfen zu lassen. Letzteres war einer der Streitpunkte und die Voraussetzung für Europäer und Amerikaner, Geld für kurzfristige Schutzmaßnahmen zu geben, die im UN-Sprachgebrauch „fast track“ heißen. Über die langfristige Finanzierung solcher Schutzprojekte von 2020 an, für die 100 Milliarden Dollar jährlich im Gespräch waren, gab es keine Übereinkunft. Der Generalsekretär sprach von „sehr schwierigen und kontroversen Diskussionen“. Während der letzten 48 Stunden sei ununterbrochen durchverhandelt worden. Zugleich warb er für Verständnis für das von Umweltgruppen als enttäuschend und niederschmetternd bezeichnete Ergebnis. Auch wenn sich alle Staats- und Regierungschefs für den Schutz des Klimas ausgesprochen hätten, so seien die politischen, wirtschaftlichen und finanziellen Hintergründe der Staaten doch sehr unterschiedlich, sagte Ban.

          Weitere Themen

          In der Menge liegt die Wahrheit Video-Seite öffnen

          Vererbungslehre : In der Menge liegt die Wahrheit

          Wie Vererbung geht, lernt man bereits in der Schule. Aber so einfach wie bei Erbsen ist das nur in Ausnahmefällen. Die quantitative Genetik hat in jüngster Zeit Erkenntnisse gewonnen, die alles auf den Kopf stellen. Das wird schon bald praktische Konsequenzen haben.

          Topmeldungen

          Erdogans Akademiker : Der Rest ist Propaganda

          Wer dachte, eine Tagung des Zentrums für Türkeistudien in Essen würde die Lage der Universitäten am Bosporus kritisch beleuchten, sah sich getäuscht: kein Wort von Erdogans Säuberungen, nur Lob für den Potentaten.

          AKK zu Wahl in Görlitz : Schon wieder vertwittert

          Wieder sorgt die CDU-Vorsitzende mit einem Tweet für Ärger. Die Niederlage der AfD in Görlitz sei ein Zeichen für die Stärke der CDU, twittert AKK – und unterschlägt dabei, dass vor allem ein breites überparteiliches Bündnis den AfD-Sieg verhindert hat.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.